Carlos Julião, ein Militäringenieur und Zeichner italienischer Herkunft im Dienst der portugiesischen Krone, hat nie in Brasilien gelebt oder sich dort niedergelassen. Er lebte in Portugal, wo er in der Kolonialverwaltung tätig war, schuf jedoch ein umfangreiches Werk über die portugiesischen Kolonien, darunter auch Brasilien. Seine Zeichnungen und Aquarelle dokumentieren das gesellschaftliche, kulturelle und ethnischen Leben der Kolonien und entstanden auf der Grundlage von Berichten, Dokumenten und möglicherweise auch von einzelnen Besuchen. Daher gibt es keine Aufzeichnungen über eine Ankunft oder Abreise von Julião speziell nach Brasilien, doch sein Werk gilt nach wie vor als eine der bedeutendsten ikonografischen Darstellungen der portugiesischen Kolonialzeit.
Kurzübersicht: Wer war Carlos Julião?
Carlos Julião (Turin, 1740 – Lissabon, 18. November 1811) war ein Militäringenieur und Zeichner italienischer Herkunft, der fast fünf Jahrzehnte lang im Dienst der portugiesischen Krone stand. Er trat 1763 in die portugiesische Armee ein, verbrachte etwa sechs Jahre in Indien im Dienst der Kolonialverwaltung und machte auf der Rückreise nach Portugal machte er einen Zwischenstopp in Brasilien – ohne jemals in diesem Land gelebt zu haben. Ausgehend von dieser Erfahrung sowie Berichten und Dokumenten Dritter schuf Julião sein bekanntestes Werk, das Aquarellalbum „Riscos Illuminados de Figurinhos de Brancos e Negros dos Uzos do Rio de Janeiro e Serro do Frio“, das heute zu den meistuntersuchten ikonografischen Quellen über den Alltag, die Sklavenarbeit und die sozialen Schichten im kolonialen Brasilien zählt. Er beendete seine Karriere als Brigadegeneral der Armee, wurde 1811 vom Prinzregenten D. João, der sich damals in Rio de Janeiro aufhielt, in den Ruhestand versetzt – starb jedoch in Lissabon, wo er unter Marschall Beresford das Kommando über die Verteidigungsartillerie der Stadt innehatte. Seine Werke werden heute in Institutionen wie dem Gabinete de Estudos Arqueológicos de Engenharia Militar (GEAEM) und der Nationalbibliothek von Portugal in Lissabon sowie dem Ricardo-Brennand-Institut sowie die Nationalbibliothek in Brasilien.
In diesem Artikel
- Werke von Carlos Julião über Brasilien
- 1. Die Darstellung des kolonialen Raums
- 2. Sammelbilder von Weißen und Schwarzen: ein Album brasilianischer Typen
- 3. Die Sammelbilder in der Malerei
- Biografie und militärische Laufbahn von Carlos Julião
- 1. Herkunft und Ausbildung
- 2. Karrierebeginn in der Armee
- 3. Abreise in die indischen Kolonien
- 4. Die Rückkehr nach Portugal und das Streben nach Anerkennung
- 5. Königliches Arsenal der Armee
- Häufig gestellte Fragen zu Carlos Julião
Werke von Carlos Julião über Brasilien
- Die Darstellung des kolonialen Raums
- Weiße und Schwarze Sammelbilder: Ein Album brasilianischer Typen
- Die Figuren in der Malerei
1. Die Darstellung des kolonialen Raums
Die Erhebung und Fassade ist ein Werk, das aus drei Teile oder Segmente besteht, die sich auf die vier horizontalen Segmente verteilen, in die das Trägerpapier unterteilt ist:
1. Erster Abschnitt
Das erste davon, das obere, zeigt eine Perspektivansicht von Salvador, die recht konventionell gestaltet ist und in der die Stadt im Profil vom Meer aus dargestellt wird. Die Zeichnung verdeutlicht, wie sich der städtische Kern in das natürliche Relief des Geländes einfügt. In dieser Ansicht sind die wichtigsten Gebäude und öffentlichen Plätze der ehemaligen Hauptstadt Brasiliens mit Nummern gekennzeichnet, wobei jede Nummer einem Eintrag in der Erläuterung entspricht, die den gesamten unteren Rand der Tafel einnimmt und den umfangreichen Titel flankiert. Sowohl Ferrez (1963:38) als auch Reis (2000:316) sind der Ansicht, dass diese Ansicht von Salvador eine Kopie des Stadtprofils ist, das von José Antonio Caldas (1725–1782)3 im Jahr 1756 unter der Leitung des Militäringenieurs Manuel Cardoso de Saldanha erstellt wurde.
2. Zweiter Abschnitt
Im zweiten Abschnitt ist wiederum das Verteidigungssystem der Stadt mit ihren acht Festungen und zwei Batterien, die gleichzeitig im Grundriss und Aufriss dargestellt sind, wobei die beiden Batterien übereinanderliegend dargestellt und nehmen die zentrale Nische des Segments ein. Die Zeichnungen sind mit einer erklärenden Bildunterschrift versehen, die die geografische Lage jeder Festung sowie das jeweilige Kaliber ihrer Artillerie gemäß den Bildunterschriften unten:
- Die Festung São Bartholomeu da Passagem liegt am Fluss Pirajá, eine Liga von Bahia entfernt. Ihre Artillerie besteht aus acht Eisenkanonen, und zwar: einer vom Kaliber 12, einer vom Kaliber 8 und sechs vom Kaliber 6.
- Festung Santo Antônio da Barra in der Stadt Bahia. Diese Festung schützt die Porta da Barra, die den Zugang zur Bucht ermöglicht. Die Artillerie besteht aus 16 Geschützen, von denen 8 aus Bronze sind, nämlich: zwei vom Kaliber 26, vier vom Kaliber 16 und zwei vom Kaliber 19. Die übrigen 8 Geschütze sind aus Eisen und haben das Kaliber 36.
- Die Festung Santa Maria. Diese Festung, die nördlich der Festung Santo Antônio da Barra in Geschossreichweite liegt, verteidigt einen strategisch wichtigen Punkt in Barra, der sich für eine Landung eignet. Ihre Artillerie besteht aus Eisenkanonen des Kalibers 24 und 18.
- Fortinho de São Diogo. Es liegt nördlich des Fortinho de Santa Maria, nur einen Musketenschuss entfernt. Zwischen diesen beiden kleinen Festungen liegt der Hafen Porto Irajá da Barra. Die Artillerie besteht aus fünf Eisenkanonen, nämlich drei im Kaliber 10 und zwei im Kaliber 8.
- Die Batterie von Paulo und die Batterie von Ribeira. Diese Batterien stehen im Feuergefecht mit der Festung „Fortaleza do Mar“ und bilden die beste Verteidigungsanlage von Bahia. VI. Die Artillerie besteht aus 19 Eisenkanonen des Kalibers 24. V. Die Artillerie besteht aus 2 Bronzekanonen, eine vom Kaliber 14 und eine vom Kaliber 12. Darüber hinaus verfügt sie über weitere 30 Eisenkanonen, davon 18 vom Kaliber 26, 10 vom Kaliber 18 und 2 vom Kaliber 8.
- Fortaleza do Mar. Diese Festung wurde mitten im Meer errichtet, zwei Musketenschüsse vom Festland entfernt. Sie verfügt über Bronzekanonen der Kaliber 24, 18, 16 und 8 sowie über Eisenkanonen der Kaliber 40, 36, 26 und 18.
- Fortinho de Francisco. Es befindet sich im Zentrum des Ortes Marinha da Cidade da Bahia, ist jedoch baufällig und durch die seitlich davon ragenden Gebäude ungeschützt. Seine Artillerie besteht aus sieben Eisenkanonen, nämlich zwei vom Kaliber 12, zwei vom Kaliber 10 und drei vom Kaliber 6.
- Fortinho do Alberto. Diese Festung befindet sich neben dem ehemaligen Noviziatshaus der Jesuiten und ist baufällig; sie steht unter dem Schutz der Marine. An dieser Stelle besteht Bedarf an [Verstärkung?]. Die Artillerie besteht aus 7 Eisenkanonen, nämlich: zwei vom Kaliber 72, drei vom Kaliber 10 und zwei vom Kaliber 8.
- Fortinho de Monserate. Es liegt an der Nordspitze [oben?] der Halbinsel, im Norden, während sich im Süden das Fort von Santa Maria an der Südspitze befindet; auf der […] Linie, die diese Achse bildet, liegen die Stadt Bahia und ihre Vororte. Die Artillerie besteht aus Eisenkanonen des Kalibers 18 und 12.
Betrachtet man also die beiden Teile, aus denen sich die obere Hälfte des Bildes von Julião zusammensetzt, als Ganzes, so bilden sie eine Typologie der Darstellung, die sehr gut zum Universum der visuellen Aufzeichnungen militärischen Charakters, die in der ikonografischen Produktion des 18. Jahrhunderts in Bezug auf Brasilien reichlich vorhanden sind. Die Zeichnung dient hier dazu, die Herrschaft über das Gebiet zu veranschaulichen: Das Profil der Stadt verdeutlicht dieBesiedlung des Ortes und weist auf das Vorhandensein bestimmter zivilen und religiösen Einrichtungen hin, was ein Indikator für den Grad der Entwicklung des Stadtkerns ist; die Erfassung der Festungen hingegen verdeutlicht die Ressourcen, die für die Aufrechterhaltung dieses Herrschaftsbereichs zur Verfügung standen. Wir haben es hier mit dem zu tun, was Belluzzo als eine finalistische und instrumentelle Zeichnung bezeichnet, die „das Vorstellungskraft (…) nicht fließen lässt und der Konstruktion des realen Lebens dient“ (Belluzzo 1994:3,49).
3. Dritter Abschnitt
Das dritte der horizontalen Segmente, aus denen sich die Fassade der Elevação zusammensetzt, und Fassade bildet jedoch eine Besonderheit im Werk von Julião im Rahmen der ikonografischen Produktion mit militärischem Charakter. Die fünf Abschnitte, in die dieser Teil des Werks unterteilt ist, enthalten Darstellungen von menschlichen Figuren, Prototypen der städtischen Typen, die durch das costumbrista der reisenden Künstler des 19. Jahrhunderts weit verbreitet werden.
Die auf dem Holzschnitt von Julião dargestellten Figuren entsprechen grob gesagt zwei weißen Damen und zwei Sklavenfiguren (wobei eine schwarze mit einem Tonkrug auf dem Kopf und eine schwarze ein Obsttablett trägt) sowie eine zentrale Gruppe, in der zwei Sklaven eine weiße Dame in einem kleinen Sessel4 tragen, begleitet von einem Herrn, der ihnen die Richtung weist5. Die Abbildungen sind mit folgenden Bildunterschriften versehen:
- Die Kleidung der Mulattinnen aus der Stadt Bahia
- Schwarzer, der in Bahia Milch verkauft
- Kutsche oder Kinderwagen, in dem die Damen in der Stadt Salvador da Bahia de Todos os Santos unterwegs sind
- Mossa tanzt den Landú – vom Po bis zur Taille
- Tracht der „Pretas“ – Gemüsehändlerinnen aus Bahia
Sein Gesamtaufbau ähnelt stark dem vorherigen und ist ebenfalls in vier horizontale Segmente unterteilt, obwohl in diesem Fall die Stadtansichten einen deutlich kleineren Bereich einnehmen, nämlich nur die beiden oberen Streifen. Dort sind Ansichten vom Meer aus von vier Städten in portugiesischem Besitz in Asien, Amerika und Afrika, wie aus den folgenden Bildunterschriften hervorgeht:
- Beschreibung der Mündung der Barra de Goa. Nummer 1: Festung von Agodá, Nummer 2: Fort dos Reis und Nummer 3: Nossa Senhora da Piedade.
- BC: Prospekt, der den Dio-Platz vom Meer aus in einer Entfernung von Meya Nr. 4 zur Festung Dio, Nr. 5: Eingang zur Barra, zeigt.
- Karte, die die Mündung des Rio de Janeiro in einer Entfernung von einer halben Legua vom Meer zeigt. Nr. 6: Na. S.a. von Copacabana, Nr. 7: der Zuckerhut, Nr. 8: Festung S.a. Cruz.
- DE Prospekt, der die Insel Mosambik in ihrem Hafen zeigt. Diese Insel ist 850 Braças lang und an der breitesten Stelle 120 Braças breit. Nr. 9: Die Festung auf der rechten Seite ist mit 40 Bronzekanonen und 20 Eisenkanonen bestückt.
Julião greift erneut auf das Mittel der Profilzeichnung der Städte zurück und hebt in der Zeichnung die Festungen, die ihre Verteidigungsanlagen sichern. Die einzige Ausnahme bildet das Profil von Rio de Janeiro, in dem wir nicht direkt die Stadt zu sehen, sondern die Mündung der Guanabara-Bucht, wo neben den Festungen von Copacabana und Santa Cruz der Zuckerhut hervor, der als Orientierungspunkt im Relief fungiert. Es ist wichtig zu beachten, wie Julião die zusammengefügten Ansichten anordnet so anordnet, als wären sie die Darstellung ein und desselben Gebiets, obwohl wir wissen, dass es sich um geografisch weit voneinander entfernte Städte handelt. Die Seitenansicht steht zudem in Verbindung mit der Praxis der Seefahrt und betont den Zustand des aus der Ferne beobachteten Gebiets sowie das Risiko auf hoher See. Sie steht im Zusammenhang mit der Sichtweise dessen, der sich mit dem beschäftigt, was Murilo Marx als „Binom aus Verteidigung und Anlegen“ bezeichnet (Marx 1996), das die Logik der portugiesischen Besetzung Amerikas bestimmt. Auf diese beiden oberen Streifen folgen weitere zwei, in denen uns neunzehn menschliche Figuren präsentiert werden, einige einzeln, andere in Gruppen. Diese Typen sind durch die folgenden Bildunterschriften gekennzeichnet:
- Einsiedler, der um Almosen bittet
- Schwarze Frau mit einem Tablett voller Süßigkeiten und einer Wasserflasche
- Während der Rosenkranz vorbereitet wird
- Netz, mit dem die Amerikaner zu ihren Höfen oder Farmen transportiert werden
- Eine Schwarze, die das Abendessen in die Cuya bringt
- Ein Mädchen, das den Landu tanzt – vom Po bis zum Hosenbund
- Mulattin, die einen Brief für sich erhält
- Tracht der Frauen aus Salvagem
- Traditionelle Tracht der Nhonhas aus Macau
- Ein Einwohner von Goa in Alltagskleidung
- Ein Einwohner von Goa in Festkleidung
- Bayé aus Goa in brahmanischer Tracht
- Goa-Baye von Casta Chardos
- Farás de Mancilla zeigt die Sonne Indiens
- bereits domestizierte Tapuyas
- Mistissa serviert Hühnersuppe
- Ich habe zwei Chinesinnen aus Macao mitgebracht
- Baye mit zwei Wasserkrügen
- Canarim, geh und verpass der Kokospalme eine Tracht Prügel
Was diese unmittelbar unterscheidet von der Tafel, die zuvor analysiert wurde, ist, dass es keine Unterteilung in Felder gibt, in denen die Abbildungen untergebracht sind. Hier werden sie in Reihen dargestellt, wie bei einer Parade, was uns erlaubt, eine Parallele zu den Stadtprofilen zu ziehen, die in einem Durchgang gezeichnet sind. Zusammengenommen erinnern diese Bilder an die Ausdehnung der portugiesischen Herrschaft über eine Vielfalt von Gebieten und Völkern auf der ganzen Welt, da sie zwei Stätten portugiesischer Kolonisierung in Asien (Goa und Diu), einen in Afrika (Mosambik) und einen in Amerika (Rio de Janeiro), wobei er diese mit Menschentypen kombiniert, die aus diesen und anderen nicht vertretenen Regionen stammen. Natürlich ist dabei ein gewisser Vorgang der Nivellierung impliziert – sofern dieser Begriff in diesem Zusammenhang überhaupt angemessen ist –, da sich in ihrer Vielfalt, die sich in den Kleidung und den Schmuck zum Ausdruck kommt, sind die Figuren einander gleichgestellt, da sie unter denselben Regeln einer portugiesischen Regierung leben. All diese Gebiete und all diese Völker sind vereint. Und all das ist Portugal. In dieser Auflistung von Menschentypen identifiziert Ferrez (2000) als aus Rio de Janeiro stammend die Figuren der Nummern eins bis acht, die den gesamten oberen Teil der „Parade“ abdecken, sowie die wilde Inderin, die den unteren Teil einleitet. Tenreiro (2007) hält es hingegen für bedeutsam, dass alle Typen des oberen Bereichs Brasilianer sind, allerdings nicht unbedingt aus derselben Region, und dass die anderen vertretenen Brasilianer im unteren Bereich nur die Indigenen sind: eine Wilde und ein „gezähmtes“ Tapuia-Paar9.
Ebenso gehörte das Motiv der Frau, die im Netz getragen wird bereits seit mindestens der niederländischen Präsenz im niederländischen Präsenz im Nordosten des Landes im 17. Jahrhundert. Dies lässt sich beispielsweise an der Zeichnung Nr. 104 aus dem Thierbuch10 von Zacharias Wagener (1614–1668) (Abbildung 4). Ebenfalls im Kontext von holländischen Brasil taucht dasselbe Thema in einer überarbeiteten Form in der dekorativen Sprache der Gobelins-Manufaktur auf dem Wandteppich.
Es ist ganz offensichtlich, dass sowohl die Ansicht und Fassade als auch die Gestaltung des Eingangsbereichs der Bar „Goa“ aus kompositorischer Sicht auf demselben Verfahren beruhen: der Überlagerung von Ausschnitten menschlicher Figuren auf topografische Ansichten. Der wichtigste Effekt dieses Vorgehens besteht darin, eine direkte Identifikation zwischen den Figuren und jenem „Ort“ zu fördern. Was die Figuren selbst betrifft, so wird in diesen Zeichnungen die Idee eines „Typs“ verstärkt, einer Figur, die sich aus der Zusammenführung bestimmter Attribute zusammensetzt, die eine bestimmte soziale Gruppe visuell erkennbar machen. Betrachtet man die Werke von Julião streng unter dem Gesichtspunkt dieser Darstellungsmittel, so sind darin keine großen Neuerungen zu erkennen. Sowohl die Konstitution des Typs als auch die Verbindung zwischen dem Typus und dem Ort beziehen sich auf visuelle Traditionen , die in der europäischen Kunst, insbesondere in der Kartografie und in der Reiseliteratur, seit mindestens dem 16. Jahrhundert weit verbreitet sind. Vorerst möchten wir eine Annäherung zwischen den Werken von Julião und der bekannten Karte von Brasilien unter niederländischer Herrschaft (Abbildung 6), verfasst vom Geographen, Astronomen und Botaniker Georg Marcgraf (1610–1644).
Genau wie das Thierbuch ist auch die Karte von Marcgraf Teil der außergewöhnlichen ikonografischen Reihe, die mit der kurzen Regierungszeit von Maurício de Nassau (1604–1679), der zwischen 1637 und 1644 in Pernambuco ansässig war. Wie Beatriz Bueno11 hervorhebt, ist die kartografische Darstellung von Georg Marcgraf resultiert aus Beobachtungen und Vermessungen, die der Geograf selbst während seines Aufenthalts in Brasilien und enthält detaillierte Informationen über das Flussnetz und Straßennetz, die die Erschließung des Landesinneren, die Vegetation und das Relief der Region, das städtische Netz und die landwirtschaftlichen Betriebe, die Festungen zur Küstenverteidigung sowie die indigenen Stämme, die Verbündete oder Feinde der Holländer waren.
2. Sammelbilder von Weißen und Schwarzen: ein Album mit brasilianischen Typen
Man muss auch bedenken, dass das Ausschneiden und Neukombinieren dieser Bildchen in verschiedenen Träger zu schneiden und neu zusammenzusetzen, auf die Existenz eines Repertoires von Typen hindeutet, das a priori vom Zeichner geschaffen wurde. In diesem Zusammenhang verdient die Sammlung von Aquarellzeichnungen Besondere Beachtung, aus der sich die „Riscos Iluminados“, sogenannte Figurenbilder von Weißen und Schwarzen aus Rio de Janeiro und Serro do Frio zusammensetzen, die zum Bestand der Stiftung Nationalbibliothek (FBN) in Rio de Janeiro gehört. Es besteht aus 43 Illustrationsblättern, denen kein Text enthält dieses Manuskript keinen Hinweis auf die Urheberschaft, wird jedoch traditionell Julião zugeschrieben aufgrund der Ähnlichkeit und sogar der direkten Übereinstimmung zwischen vielen seiner Abbildungen und denen, aus denen sich die Tafeln zusammensetzen, die oben erwähnt wurden. Ursprünglich war die Sammlung der Zeichnungen, die Julião zugeschrieben werden, Teil eines Bandes, der drei Werke vereinte, nämlich: Noticia summaria do Gentilismo da Ásia& nbsp;mit zehn illuminierten Zeichnungen, die als „Figurinen von Weißen und Schwarzen aus dem Alltag von Rio de Janeiro“ bezeichnet werden, sowie „Serro do Frio – Peruanische Gefäße und Stoffe“14.
Unabhängig vom Datum des Originalmanuskripts steht fest, dass die Kopien der Zusammenfassung… , die sich in portugiesischen Sammlungen befinden, alle aus Goa stammen und aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. In Kenntnis der Anwesenheit von Carlos Julião in jener Region zwischen 1774 und 1779 – wie wir in Kapitel 2 dieser Arbeit noch näher untersuchen werden – wäre es naheliegend anzunehmen, dass das Exemplar der FBN von ihm während seiner Zeit im Dienst in Indien kopiert wurde. Wie jedoch bereits angemerkt wurde, weisen die Illustrationen dieses Kodexes in stilistischer Hinsicht keinerlei Ähnlichkeit mit den Zeichnungen, die Julião in den „Ditos de figurinhos de brancos e negros“ zugeschrieben werden… , sodass man daher annehmen muss, dass die Hypothese – ihn als Urheber der Kopie der Zusammenfassung… ist lediglich auf die Vorhandensein beider Manuskripte in ein und demselben Einband. Nun ist die Zusammenführung verschiedener Dokumenten in ein und demselben Band ist kein sicherer Hinweis auf die Urheberschaft, da dieser Vorgang in den meisten Fällen Kriterien folgt, die aus Praktikabilitätsgründen des Eigentümers festgelegt wurden. Die Frage der Urheberschaft muss in diesem Fall mit Sorgfalt behandelt werden, da es keineswegs offensichtlich ist, anzunehmen, dass die Kopie des indischen Kodex im Bestand der FBN von Julião angefertigt wurde. Der Teil, der sich auf die „Ditos de vasos e tecidos peruvianos“ bezieht, besteht aus 33 Tafeln mit Illustrationen in Sepia-Aquarell, ohne begleitenden Text. Bei diesen Bildern fällt auf, mit welcher Sorgfalt der Zeichner den Mustern widmet, die Gefäße und Textilien schmücken, sowie bestimmte Werkzeuge wie Webstühle zur Herstellung von Stoffen und Spitzen. Unterhalb der Überschrift, die das Album einleitet, befindet sich eine Anmerkung zu Graffiti, das besagt: „Die Zeichnungen dieser Gefäße wurden den Originalen entnommen, die auf der spanischen Galeone gefunden wurden, die in der Regierungszeit von Königin Maria I. vor der Küste von Peniche strandete und mit Silber beladen war“. Das berühmteste Schiffbruch an der Küste von Peniche in der Zeit Marianischen Ära war der des spanischen Kriegsschiffs „San Pedro de Alcantara“ im Februar 178616.
Abbildungen 10 bis 12 – Carlos Julião (zugeschrieben). Bilder 1 bis 3 aus Sprüche von weißen und schwarzen Figuren…, ohne Datum (18. Jahrhundert). Aquarell auf Papier. Stiftung Nationalbibliothek, Rio de Janeiro.
Abbildungen 13 bis 16 – Carlos Julião (zugeschrieben). Bilder 4 bis 7 aus Sprüche von weißen und schwarzen Figuren…, ohne Datum (18. Jahrhundert). Aquarell auf Papier. Stiftung Nationalbibliothek, Rio de Janeiro.
Zweifellos kam die internationale Lage Bandeira in dieser Situation zugute, da sich im turbulenten Jahr 1789 begannen sich die Differenzen zu verschärfen, die schließlich dazu führen sollten, dass Portugal und Spanien, die jeweils Verbündete von England und Frankreich waren, auf gegensätzliche Seiten des europäischen Konflikts stellen würden, was sicherlich Auswirkungen auf die amerikanischen Gebiete gehabt hätte. Für die portugiesische Krone war es daher von entscheidender Bedeutung, auf die Kriegserfahrung gegen die Spanier zurückgreifen zu können, über die Pinto Bandeira bereits verfügte. Tatsächlich versandte er bereits im August 1790 Dokumente als Generalkommandant der Kapitanat von São Pedro (Silva 1999:137). Es gibt nur ein Bild von Pinto Bandeira, das in der ihm gewidmeten Dissertation von Augusto da Silva (1999) abgebildet ist. Die Abbildung enthält zwar keine Angaben zu Urheber, Datum oder Quelle, ermöglicht es uns jedoch festzustellen, dass es sich um dieselbe Figur handelt, die auf dem Titelblatt des Manuskripts der FBN zu Pferd das Schwert schwingt [Abbildung 9]. Damit bestätigt sich die von Cunha vertretene Hypothese, dass diese allegorische Szene die Siege von Pinto Bandeira gegen die Spanier im Süden feiert. Das militärische Thema setzt sich in den Drucken zwei bis sieben der „Ditos de figurinhos de brancos e negros“ fort… , in denen verschiedene Arten von Offiziersuniformen [Abbildungen 11 bis 16] sowie eine eher anekdotische Szene dargestellt sind, in der sich ein Mädchen unter Tränen von einem Offizier verabschiedet. Sie wurden von José Washt Rodrigues (1891–1957) im Jahr 1949 identifiziert, wie aus einem von diesem Künstler und Historiker getippten und unterzeichneten Dokument hervorgeht, das der ersten Seite des Albums beigefügt war und den Titel trägt: „Erläuterung zu einigen Militäruniformen im Buch mit Originalfarbdrucken aus dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts, das in den USA von der brasilianischen Regierung erworben wurde und sich derzeit in der Nationalbibliothek in Rio de Janeiro befindet“. Die von Rodrigues angeführte Bezeichnung diente als Grundlage für die Titel, mit denen Ferrez (2000: Bd. 1, 115) die Illustrationen in seiner Iconografia do Rio de Janeiro bezeichnet, ebenso wie die von Cunha in der Faksimile-Ausgabe des Albums (1960) zitierten Bildunterschriften. Sogar die Bezeichnung des Bildes Nr. 7 als „romantische Szene“ wiederholt sich bei beiden Autoren. Das Thema der Militäruniformen ist zweifellos eines der am häufigsten wiederkehrenden Motive in Bezug auf die Darstellung der menschlichen Figur im Portugal des 18. Jahrhunderts, was durch ihre Präsenz in praktisch allen konsultierten Archiven belegt wird, insbesondere im ANTT [Abbildung 17], dem AHU [Abbildung 18] und der FBN [Abbildungen 19 und 20]. Diese Zeichnungen kursierten in verschiedenen Formaten, meist als Anhang zu Dokumenten, die aus den Kolonien an das Königreich gesendet wurden. So stießen wir im Laufe unserer Recherche auf Militäruniformen aus São Tomé und Príncipe, Mosambik und Macau sowie aus Brasilien. Häufig begleiteten die Zeichnungen die „Truppenverzeichnisse“, Tabellen, in denen alle Offiziere und Soldaten, aus denen sich jedes Regiment der bezahlten Truppen und Hilfskräfte einer bestimmten Region zusammensetzte, aufgeführt und quantifiziert wurden. Sicherlich sind sie als Teil des Umstrukturierungsprozesses der portugiesischen Armee zu verstehen, der vom Grafen von Lippe (1724–1777) im Jahr 1760 geleitet wurde und auf den wir im nächsten Kapitel eingehen werden. Es war Lippe selbst, der die portugiesische Armee erstmals mit einem Plan für Uniformen ausstattete, und zwar im Jahr 1764 mit einem Plan für Uniformen ausstattete, der alle Truppen des Königreichs und der Eroberungen umfasste, und es überrascht nicht, dass sich die Entwürfe für Militäruniformen ab diesem Zeitpunkt zu vermehren begannen. Es ist wichtig anzumerken, dass die Herstellung der verschiedenen Elemente, aus denen sich die Uniform der Offiziere und Soldaten im Dienst in Portugal und in Übersee – wie Knöpfe, Schuhe, Tressen, Hüte, Waffen usw. –, ebenso wie der Einkauf der Stoffe und die eigentliche Herstellung der Uniformen, im Königlichen Heeresarsenal in Lissabon zentralisiert waren. Es erscheint logisch anzunehmen, dass die Entwürfe für Militäruniformen, begleitet von den Truppenplänen, auch dazu dienten, im Arsenal den Materialbedarf für die Bekleidung der Streitkräfte jeder Region zu ermitteln. Man darf nicht vergessen, dass die portugiesische Armee Truppen umfasste, die in Europa, Asien, Afrika und Amerika stationiert waren, und die durch den Entwurf ermöglichte Visualisierung der Uniformen durch die Zeichnung ermöglichte, erleichterte sicherlich die logistische Aufgabe, alle Kontingente gemäß den jüngsten Anweisungen des Grafen von Lippe einzukleiden. Was die Darstellung betrifft, so ist in keinem anderen „Genre“ – sofern man Kostümzeichnungen überhaupt als „Genre“ betrachten kann – die Frage der Zeichnung, die auf Modellen basiert, so offensichtlich. Die verschiedenen Serien sind einander sehr ähnlich, sie unterscheiden sich lediglich hinsichtlich des Strichs oder genauer gesagt des persönlichen Stils des Autors, je nachdem, ob er mehr oder weniger Geschick bei der Darstellung der menschlichen Figur und mehr oder weniger Können im Umgang mit der Aquarellmalerei besitzt. Tatsächlich handelt es sich häufig um dieselbe Figur in unterschiedlicher Kleidung: Es gibt fast keine Abweichungen in der Haltung der Hände – die sich auf einen Stock stützen, eine Waffe halten oder auf der Brust ruhen –, oder in der Körperhaltung.
Aquarell und Tusche auf Papier – Illustration von Karte der Uniformen, erstellt in Porto unter der Aufsicht von Generalleutnant José de Almada. Nationalarchiv Torre do Tombo, Lissabon (Ministerium des Königreichs, Sammlung von Karten und anderen bildlichen Dokumenten, Dok. 72)
Abbildungen 19 und 20 – José Corrêa Rangel. Illustration der Garnison von Rio de Janeiro mit ihren Uniformen sowie Karten zur Anzahl der bezahlten Regimenter und der Hilfstruppen. Gezeichnet von José Corrêa Rangel. Infanterie-Adjutant mit Ingenieuraufgaben, 1786 – Aquarell und Tusche auf Papier – Fundação Biblioteca Nacional, Rio de Janeiro.
Abbildung 21 – Unbekannter Künstler. Allgemeine Uniformen der spanischen Truppen, 1778. Radierung und Aquarell auf Papier. Amt für archäologische Studien im Militäringenieurwesen, Lissabon (Signatur 4309_I-4-55-64-1)
Und die Militäruniformen von Julião sind Teil dieser Welt der Armeen der „Zinnsoldaten“. Die Vorlagen für diese Zeichnungen sind in der Stichkunst, insbesondere in den Drucken, die Truppenpläne darstellen, wie aus Abbildung 21 ersichtlich ist. Auf die Militäruniformen folgt eine Gruppe von vier Illustrationen, in denen die Figuren indigene Paare sind [Abbildungen 22 bis 25]. Abbildungen 22 bis 25 – Carlos Julião (zugeschrieben). Bilder 8 bis 11 aus Sprichwörter von Figuren in Weiß und Schwarz…, ohne Datum (18. Jahrhundert). Aquarell auf Papier. Stiftung Nationalbibliothek, Rio de Janeiro
Auf Bild acht taucht zum ersten Mal eine Landschaft auf, in der sich die Figuren bewegen; sie besteht in diesem Fall aus einem Fluss, Bergen und Bäume besteht. Das Paar wirkt noch wild, da beide einen Bogen und Pfeil bei sich und gerade einen Jaguar erlegt haben, der im Vordergrund blutet. Erneut weisen wir auf die archetypische Darstellung des brasilianischen Ureinwohners: Die Figur der Indianerin mit nur einer Brust erinnert an die alten Mythen der Amazonen-Kriegerinnen, während der Indianer, obwohl er mit einem Kokar und einem Federrock bekleidet ist, mit Bart wie ein Europäer dargestellt wird. Die übrigen Paare wirken weitaus friedlicher, wobei das auf Abbildung elf genau den gezähmten Tapuias entspricht, die auf der Darstellung des Eingangsbereichs der Bar… dargestellt sind. Das Motiv zehn ist hinsichtlich seiner Komposition etwas interessanter, da es dieselbe gespiegelte Figur aufweist – ein Stilmittel, das auch in Abbildung 15 verwendet wird. Das Vorhandensein von pflanzlichen Elementen und eine gewisse Andeutung von Relief, die allen vier Illustrationen gemeinsam ist, trägt zur Sinnstiftung des Bildes bei und untermauert die Annahme, dass der Lebensraum der Ureinwohner die natürliche, von der Zivilisation noch unberührte Umgebung ist. In gewisser Weise versinnbildlichen diese Merkmale die Figuren, die dargestellt werden, und stellen entfernte Anklänge an die ethnografischen Gemälden von Albert Eckhout (1610–1666). Auf die indigenen Paare folgen drei weitere Illustrationen von Frauen, die getragen werden [Abbildungen 26 bis 28], wobei die erste in einem Netz liegt und die übrigen von schwarzen Sklaven getragen werden, die die berühmten Stühle auf den Schultern tragen. Die Abbildung zwölf [Abbildung 26] ähnelt der zentralen Figur auf der Tafel Gestaltung des Eingangs… , obwohl die Träger dort Schwarze sind. Auf dem Bild dreizehn [Abbildung 27] hingegen ist die zentrale Figur der Gruppe der drei Frauen, die dem Stuhlchen folgen und die Lygia Cunha (1960) als Sklavinnen identifiziert, ist ebenfalls identisch mit der Mulattin aus „Elevação e fachada“. Die Gruppe auf dem Bild 14 [Abbildung 28] wiederholt sich in demselben Werk, das sich auf den Prospekt von Salvador bezieht. Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass das Thema der Kinderstühle seit dem 16. Jahrhundert in der Vorstellungswelt über die portugiesische Gesellschaft im Orient starken Anklang findet. Sowohl Chaudhuri als auch Russell-Wood21 erinnern uns daran, dass der Wunsch nach Reichtum und gesellschaftliche Anerkennung das Hauptanliegen der Portugiesen war, die sich in die indischen Staaten begaben, und dass öffentliche Zurschaustellung von Reichtum in der portugiesischen Gesellschaft in Übersee gängige Praxis war. In diesem Zusammenhang dienten die Transportmittel dazu, die Adligen und Edelleute hervorzuheben, die sich in Sänften tragen ließen, gefolgt von Gefolgschaften aus Sklaven.

Abbildungen 30 bis 33 – Carlos Julião (zugeschrieben). Stiche 15 bis 18 aus Sprüche von weißen und schwarzen Figuren…, ohne Datum (18. Jahrhundert). Aquarell auf Papier. Stiftung Nationalbibliothek, Rio de Janeiro.
Abbildungen 34 bis 37 – Carlos Julião (zugeschrieben). Stiche 19 bis 22 aus Sprüche von weißen und schwarzen Figuren…, ohne Datum (18. Jahrhundert). Aquarell auf Papier. Stiftung Nationalbibliothek, Rio de Janeiro.
In den Abbildungen 18 und 19 werden Szenen mit Figuren, die miteinander interagieren [Abbildungen 33 und 34]. Die erste, offenbar eine Szene auf der Straße, zeigt uns einen Schwarzen, der einer Dame Milch serviert, wobei beide von einem Mann beobachtet wird (ähnlich der männlichen Figur auf dem Druck Nr. 15). Die andere wird von Cunha (1960) als eine Szene der Entenjagd beschrieben und scheint nicht viel mit den anderen zu tun zu haben. Die Kleidung der weißen Frauen taucht erneut in den Motiven 20 bis 22 [Abbildungen 35 bis 37], die ebenfalls durch die Wiederholung derselben Figur gekennzeichnet sind, bei der sich lediglich Gewand wechselt, während die Verzierungen und die Haltung der Hände variieren. Auf Abbildung 23 [Abbildung 38] sehen wir eine weitere Szene, die von Cunha als „romantische Szene“ klassifiziert wird, in der ein Mann mit Spazierstock, „im Stil des 18. Jahrhunderts gekleidet“ (Cunha 1960), einer jungen Frau einen Brief überreicht, auf dem zu lesen ist: „An Frau Joanna Rosa“. Ein weiteres weißes Paar ist auf Bild 24 [Abbildung 39] zu sehen, wobei die männliche Figur denjenigen ähnelt, die die Abbildungen sechzehn und siebzehn zieren. Die Abbildung 25 [Abbildung 40] zeigt uns zwei weibliche Figuren, die durchaus wieder mit der Mulattin aus „Elevação“ und „Fassade“ verglichen werden könnten. Ab Abbildung 26 beziehen sich alle weiteren auf schwarze Figuren. Die ersten fünf, von 26 bis 30 [Abbildungen 41 bis 45], sind ausschließlich den Trachten gewidmet, während die folgenden vier, von 31 bis 34 [Abbildungen 46 bis 49], stellen die Szenen der schwarzen Straßenverkäufer dar. Hier begegnen wir erneut der Obstverkäuferin in einer Darstellung, die identisch ist mit der in „Elevação“ und Fassade, ebenso wie den Milchverkäufer aus demselben Prospekt aus Salvador und die Süßigkeitenverkäuferin aus der Darstellung des Eingangs zur Barra de Goa… in leicht abgewandelten Versionen. Es ist interessant festzustellen, dass die Straßenverkäufer so dargestellt sind, dass sie verschiedene Andeutungen von Bewegung enthalten, im Gegensatz zu den übrigen Figuren, die bisher zu sehen waren. Die Drucke 35 bis 39 [Abbildungen 50 bis 54] sind vielleicht die Illustrationen dieser Sammlung am häufigsten reproduziert werden; sie werden stets herangezogen, wenn es darum geht, Texte über Feste in der Kolonialzeit in Brasilien verwendet werden. Tatsächlich beziehen sie sich auf die Feste, bei denen die Krönung der Könige und Königinnen des Kongo im Zusammenhang mit den Bruderschaften Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz der Schwarzen. Es sind auch die Stiche die sich vom Stil her am stärksten von den übrigen Illustrationen des Manuskripts, da sie verschiedene Figuren im Gefolge zeigen, mit unterschiedlichen Körperhaltungen und Requisiten. Abbildungen 38 bis 41 – Carlos Julião (zugeschrieben). Stiche 23 bis 26 aus Sprüche von weißen und schwarzen Figuren…, ohne Datum (18. Jahrhundert). Aquarell auf Papier. Stiftung Nationalbibliothek, Rio de Janeiro.
Abbildungen 42 bis 45 – Carlos Julião (zugeschrieben). Stiche 27 bis 30 aus Sprüche von weißen und schwarzen Figuren…, ohne Datum (18. Jahrhundert). Aquarell auf Papier. Stiftung Nationalbibliothek, Rio de Janeiro.
Abbildungen 46 bis 49 – Carlos Julião (zugeschrieben). Stiche 31 bis 34 aus Sprüche von weißen und schwarzen Figuren…, ohne Datum (18. Jahrhundert). Aquarell auf Papier. Stiftung Nationalbibliothek, Rio de Janeiro.
Ein Großteil des Charmes der Zeichnungen dieser Serie liegt gerade in der Miniaturisierung dieser Figuren, von denen jede mit ihren bunten Kleidern, ihren Musikinstrumenten, Kopfschmuck und Tanzbewegungen dargestellt werden. Auf den Abbildungen 36 und 39 ist es interessant zu beobachten, wie der Autor angesichts einer größeren Anzahl von Figuren diese einzeln komponiert, wodurch die Gestaltung der „ Szene“ Autor diese einzeln zusammenstellt, sodass sich die Gestaltung der „Szene“ aus der Summe dieser Elemente ergibt. Die Figuren unterliegen keiner räumliche Anordnung unterworfen; vielmehr ist es ihre Positionierung auf dem Papier, die den Raum prägt. Es ist zudem anzumerken, dass diese Art von Sonnenschirm, unter dem der König und die Königin im Umzug ein bekanntes Attribut der afrikanischen Könige ist; es genügt, hier zwei Beispiele zu nennen, in denen es vorkommt: die Wandteppich Der triumphierend getragene schwarze König aus der Serie Nouvelles Indes (Manufaktur Gobelins) sowie die Allegorie Afrikas& nbsp;[Abb. 59], gestochen nach einer Zeichnung von Charles Le Brun (1619–1690). Die letzten Abbildungen des Albums beziehen sich auf die Arbeit des Abbaus in den „Catas“ von Diamanten, möglicherweise aus dem Serro do Frio (Diamantina), wie aus dem Titel des Bandes hervorgeht. Wir sehen also in Abbildung 40 [Abbildung 55] die schwarzen Steinbrecher, die auf der linken Seite der Stichs 41 [Abbildung 56] wieder, in einer umfassenderen Ansicht, die weitere Schritte der Gewinnung zeigt. Das Waschen des Kieses wird in Abbildung 42 [Abbildung 57] dargestellt, gekennzeichnet durch das Vorhandensein einer Baukonstruktion, die in einer außergewöhnlich stark betonten Perspektive gezeichnet ist und optisch aus einem seltsamen Quader darstellt, der in eine Landschaft aus Hügeln und anmutiger geformten Volumen eingebettet ist. Eine ähnliche Abbildung taucht zu Beginn des 19. Jahrhunderts in dem Buch „Travels in the interior of Brazil“ (1812) des britischen Mineralogen John Mawe (1764–1829) [Abbildung 60], dem ersten Ausländer, der die Erlaubnis erhielt, das Goldabbaugebiet von Minas Gerais zu besuchen. Schließlich zeigt uns die Abbildung 43 [Abbildung 58], die den Abschluss bildet der „Ditos de figurinhos de brancos e negros“… , zeigt uns einen Sklaven, der entkleidet wurde, um von den Aufsehern untersucht zu werden. Von den 43 Illustrationen, die kommentiert werden, beziehen sich siebzehn (etwa 40 %) ausschließlich auf die Kleiderordnungen verschiedener Schichten der Bevölkerung in Brasilien, darunter auch Militäruniformen. Weitere Themen befassen sich mit indigenen Völkern (von den wildesten bis zu den zivilisiertesten), Illustrationen zu sozialen Praktiken (darunter Transportmittel, Straßenverkäufer, afrikanische Feste), sowie eine wichtige (und lukrative) Rohstoffgewinnung. Wir hatten bereits Gelegenheit festzustellen, welche Bedeutung Julião allen Bestandteilen der Tracht sowie dem eventuellen Vorhandensein von identitätsstiftenden Merkmalen als charakteristische Merkmale der dargestellten Figuren . Im Allgemeinen kommt die Figur ohne Kulisse aus; diese wird nur in Fällen verwendet, in denen das Vorhandensein anderer erzählerischer Elemente dazu beiträgt, Bedeutung des Bildes bei. Abbildungen 50 bis 54 – Carlos Julião (zugeschrieben). Stiche 35 bis 39 aus Sprüche von weißen und schwarzen Figuren…, ohne Datum (18. Jahrhundert). Aquarell auf Papier. Stiftung Nationalbibliothek, Rio de Janeiro.
Abbildungen 55 bis 58 – Carlos Julião (zugeschrieben). Bilder 40 bis 43 aus Sprüche von weißen und schwarzen Figuren…, ohne Datum (18. Jahrhundert). Aquarell auf Papier. Stiftung Nationalbibliothek, Rio de Janeiro
Wir haben uns bisher mit den Werken von Julião befasst, um zu beurteilen, inwieweit wir es hier mit einem Werk, das auf Kodierungen der Darstellung beruht und welche Traditionen darin zum Ausdruck kommen könnten. Es bleibt zu ergründen, welche Motivation Carlos Julião bei der Zusammenstellung dieser Sammlung von Illustrationen, die in Form eines Albums organisiert sind. Es ist zu beachten, dass der Begriff des Albums selbst impliziert, dass die Motive aus der Welt entnommen und in einer anderen Reihenfolge neu angeordnet wurden. Kann man daher davon ausgehen, dass das Album der FBN mit Blick auf einen Adressaten zusammengestellt wurde? Dazu äußert sich Lygia Cunha wie folgt:
Die ikonografische Sammlung wurde von Carlos Julião in der Zeit zusammengestellt, als er auf seinen Reisen in ferne Gegenden alles sammelte, was ihm besonders charakteristischen Dinge sammelte, mit der Absicht, ein Kuriositätenalbum zusammenzustellen, vielleicht um es einem Vorgesetzten zu schenken – eine plausible Hypothese angesichts des Motivs, das auf der Tafel Nr. 1 veranschaulicht.
Tatsächlich lässt die allegorische Komposition zu Beginn des Bandes an eine mögliche Widmung denken, deren Adressat vielleicht der Brigadegeneral Rafael Pinto Bandeira selbst war. Wir hatten bereits Gelegenheit festzustellen, dass Bandeira sich fast das gesamte Jahr 1789 in Lissabon aufhielt. Da er ein Militärangehöriger war, ebenso wie Julião22, war er zu dieser Zeit Hauptmann einer der Kompanien des Artillerieregiments des Hofes war, ist es durchaus naheliegend anzunehmen, dass sich beide während dieser Zeit kennengelernt haben.
3. Figuren in der Malerei
Für diese Hypothese spricht auch die Existenz von zwei Gemälden, die derzeit zur Sammlung des Instituto Ricardo Brennand in Recife gehören [Abbildungen 61 und 62]. Die Gemälde wurden bei Sotheby’s in New York erworben und bildeten das Los 400 der Auktion vom 28. Januar 1999 (Sotheby’s 1999) 23. Im Katalog wurden sie lediglich „Peoples of Lisbon and Portugal, Rio de Janeiro, Brazil, and Angola“ betitelt.
Tatsächlich lässt es sich nicht vermeiden, die betreffenden Gemälde mit dem Werk von Julião in Verbindung zu bringen, da sie uns eine Reihe menschlicher Figuren präsentieren, unter denen man einige Figuren erkennen lassen, die uns bereits in den zuvor analysierten Werken begegnet sind. Zudem sind die Figuren in derselben Struktur wie der „Umzug“ angeordnet, den wir bereits in der „Konfiguration der Goa-Leiste“ beobachten konnten, wobei nun überraschenderweise auch Typen aus dem Königreich und nicht nur aus den Eroberungsgebieten enthalten sind, wie es in den anderen Werken der Fall war. Es sind jedoch einige wesentliche Unterschiede in Bezug auf bestimmte formale Lösungen zu beachten, wie zum Beispiel die des Untergrund, auf dem die Figuren ruhen, der sich deutlich von den bereits betrachteten Werken unterscheidet, sowie die Tatsache, dass einige der Figuren eine weitaus größere Ausdruckskraft in Bezug auf ihre Gestik aufweisen und Bewegung andeuten.
Jeder Bildschirm ist in drei horizontale Bereiche unterteilt
Jedes der Gemälde ist in drei horizontale Streifen unterteilt, in denen die Schriftarten mit Bildunterschriften auf Portugiesisch und Italienisch dargestellt werden. Im oberen Bereich des Gemäldes 61, der im Kontext der Komposition eine zentrale Position einnimmt, ist das Wahrzeichen der Stadt Lissabon zu sehen – die Karavelle mit zwei Raben24 – umrandet von einem goldenen Ornament im Stil einer Rocaille-Schnitzerei, überragt von einer Königskrone gekrönt. Unter diesem Wappen lesen wir folgende Inschrift: „Gemälde, das das Wappen der Stadt Lissabon und die verschiedenen Kleidungsstile Portugals, insbesondere am Hof, darstellt. Quadro che rappresenta l’armi della Città di Lisbona e le diverse maniere di vestire di Portogallo e particolarmente di Lisbona, 1779“. Diese Inschrift ermöglicht es somit, die Gemälde auf das Jahr 1779 zu datieren, was darauf hindeutet, dass sie zeitgleich mit der Zeichnung der Aufrissansicht und der Fassade entstanden sind.
- Sargento Mor das Minas / Oberfeldwebel der brasilianischen Minentruppe
- Stabsfeldwebel / Sargento Maggiore der Stadtmiliz
- Stellvertretender Hauptmann / Hauptmann der Stadtmiliz
- Dezembargador / Ein Minister des Gerichts
- Porteiro da Caza / Portier des Palastes
- Soldado de Malta / Soldato di Malta
- Hilfsfeldwebel / Feldwebel der Stadtmiliz
- Hilfssoldat / Soldat der Stadtmiliz
- Eine Frau in einem Mantel mit ihrem / Eine Frau in einem Mantel mit ihrem
- Sklavin / Schiava
- Frau aus Porto / Femina del Porto
- Eine Hebamme / Mammana
- Huma Fidalga zu Fuß auf dem Ostermarkt / Eine Dame in Osterkleidung, die am Gründonnerstag zu Fuß die Kirchen besucht.
- Eine Frau im Mantel mit ihrem / Una Femina con il manto e la sua
- Dienstmädchen / Magd
- Huma Regateira / Eine Regattaseglerin
- Huma Frialeira / Eine Fischbude, die Fisch für die Stadt verkauft
- Ein Bruderschaftsmitglied, das um Almosen bittet / Ein Bruder der Bruderschaft, der um Almosen bittet
- Huma Saloia im Sommerkleid / Eine Saloia im Sommerkleid
- Der Stadtbote mit seinen Gehilfen an einem Tag, an dem die Truppe zu einem Fest ausrückt / Ein Beamter der Stadt, nämlich der Ausrufer, mit seinen beiden Gehilfen
- Saloia zu Pferd, im Winterkleid / Saloia zu Pferd, im Winterkleid
- Huma Colareja / Eine Obstverkäuferin
- Huma Galinheira / Eine Hühnerverkäuferin
- Hum Mariola de Alfandega / Ein Zollträger
Der erste Streifen (Abbildung 61) wird also von sechs Militärfiguren eingenommen, ähnlich denen, die wir im Manuskript der FBN gesehen haben. Zu beiden Seiten des Wappens von Lissabon sehen wir zwei Figuren, die mit der Justiz in Verbindung stehen: den Richter am Berufungsgericht und den Türhüter. Unter den Militärs ist die Anwesenheit eines schwarzen Offiziers in der Uniform des Regiments von Minas Gerais zu bemerken, sowie die eines Soldat, der als „de Malta“ bezeichnet wird und sicherlich mit dem Militärorden der Ritter von Malta in Verbindung steht. Die übrigen Offiziere sind der Hauptmann, Oberfeldwebel, Feldwebel und der Soldat der Hilfstruppen, die für die Aufrechterhaltung der Ordnung in der Stadt verantwortlich sind. Insgesamt scheinen die Figuren ein Gefühl von Autorität zu vermitteln. Im nächsten Ausschnitt von Abbildung 61 sind alle Figuren Frauen, wobei die Adlige, die für die Karwoche gekleidet ist, die zentralen Position unterhalb des Wappens der Stadt ein. Die Gruppe besteht aus drei weiteren Damen, von denen eine aus Porto stammt, eine weitere in Begleitung ihrer Zofe und eine weitere von ihrer Sklavin. Es ist verwunderlich, dass in diesem Zusammenhang von einer städtischen Sklavin die Rede ist, da die Sklaverei im Königreich und in Indien bereits im Jahr 1761 abgeschafft worden war. Neben der Hebamme, die neben der Adeligen steht, führen die beiden letzten Figuren auf der rechten Seite des Bildes bereits das Thema der Straßenhändler ein, das auch im folgenden Abschnitt behandelt wird.& nbsp;Im unteren Bildbereich sehen wir erneut in zentraler Position eine Figur, die Autorität verkörpert: den Meirinho, ein lokaler Verwalter und Vollstrecker von Urteilen. Er wird begleitet von „seinen Schwarzgekleideten am Tag der öffentlichen Verkündung“, d. h. Personen, die für die öffentliche Verkündung eines Erlasses oder einer gegen einen Übertreter verhängten Strafe entsprechend gekleidet und ausgestattet sind. Die übrigen männlichen Figuren sind der Zollträger und der Bruder, der um Almosen für die Bruderschaft bettelt. Vier weibliche Figuren vervollständigen das Gemälde: die „Saloia“ oder Bäuerin, in Sommer- und Winterkleidung, sowie zwei Straßenverkäuferinnen. Insgesamt sind auf dem Gemälde also sechs Soldaten, drei männliche Figuren, die Autorität verkörpern, vier Straßenverkäuferinnen, acht weibliche Kostüme (Adlige, Damen, das Dienstmädchen, die Sklavin, die Hebamme und die Bäuerin), sowie der bettelnden Bruder und den Zollträger. Das zweite Gemälde (Abbildung 62) ist ebenfalls in drei horizontale Streifen, doch sind seine 22 Figuren weniger symmetrisch und geordnet angeordnet. Die Übereinstimmung mit den Zeichnungen von Julião ist hier deutlicher zu erkennen als auf dem zuvor gezeigten Bild. Die Bildunterschriften, die die Figuren bezeichnen, lauten: Der erste Streifen in Abbildung 62 wird somit von sechs militärischen Figuren eingenommen, ähnlich denen, die wir im Manuskript der FBN gesehen haben. Zu beiden Seiten des Wappens von Lissabon sehen wir zwei Figuren, die mit der Justiz stehen: der Richter und der Türsteher25.
Die Bildunterschriften, die die Figuren kennzeichnen, lauten:
- o do Rio de Jan.o / Zerbinetto del Rio di Jan.o
- Eine Frau aus Rio de Janeiro / Eine Dame aus Rio de Janeiro
- Wie ein Schwarzer aus dem Wald kommt, um sich am Zoll von Angola zum Verkauf anzubieten / Wie ein Schwarzer aus dem Wald […] zum Zoll von Angola kommt, um sich zu verkaufen
- Mocamba da Baya / Dienerin der Stadt Baya
- Mocamba, die gemolken wird, wird mit Ernst behandelt / Die Magd, genannt Mulatta, wird mit Sauberkeit behandelt
- Mocamba am Fluss O / Serva am Fluss Januário
- Mocamba am Fluss O / Serva am Fluss Jan.o
- Mocamba am Fluss O / Serva am Fluss Januário
- So gehen die Damen aus Rio de Janeiro in den Cadeyrinhas, und die, die hinter ihnen hergehen, sind die Mocambas, die sie stets begleiten / So gehen die Damen aus Rio de Janeiro in den Segette, und die, die hinter ihnen hergehen, sind die Dienstmädchen, die sie stets begleiten
- Mocamba […] / Die Magd, die […] nachts nach […] geht
- Mocamba in Verkleidung / Transvestit-Magd
- Mocamba am Fluss O / Serva am Fluss Januário
- Wie die Frauen gewöhnlich in ihren Häusern in Rio de Janeiro sind / Wie die Frauen in ihren Häusern in Rio de Janeiro sind
- Pretta Mocamba do Rio de Janeiro / Dienerin aus Rio de Janeiro
- Ein Schwarzer verkauft Wasser in Rio de Janeiro / Ein Schwarzer, der in Rio de Janeiro Wasser verkauft
- Mocamba aus Angola / Serva aus Angola
- Preta q. verkauft Limonade in Rio de Janeiro / Eine schwarze Frau, die Limonade in Rio de Janeiro verkauft
- Wie man die Schwarzen in Rio de Janeiro verladen hat / La Maniera di […] li Negri nel Rio di Janeiro
- Wie die Schwarzen in Angola umherziehen / Die Art und Weise, wie die Schwarzen in Angola umherziehen
- Preta verkauft Süßigkeiten in Rio de Janeiro / Eine Schwarze, die in Rio de Janeiro Süßigkeiten verkauft
- Preta verkauft Eier in Rio de Janeiro / Eine schwarze Frau, die in Rio de Janeiro Eier verkauft
- Schwarze Baya-Mocamba / Serva Negra della Baya
Im Gegensatz zum vorherigen Gemälde (Abbildung 61) wird der mittlere Teil jedes Segments dieses Werks von Figurengruppen eingenommen:
- Im oberen Bereich sehen wir eine Szene vom Sklavenmarkt in Angola;
- In der mittleren Reihe wird ein Kindersitz von zwei Sklaven getragen und von Dienstmädchen begleitet wird (dies entspricht Bild 13 des Albums der FBN, siehe Abbildung 27);
- Im unteren Bereich unten ist eine Gruppe Schwarzer zu sehen, die ein Fass tragen.
Nur drei Figuren befinden sich im oberen Bereich: ein Ritter und eine Dame, beide aus Rio de Janeiro, sowie eine Dienstmädchen aus Bahia. Im zweiten Abschnitt haben wir sieben „Mocambas“ – ein Begriff, der in Bluteau unbekannt ist, aber möglicherweise ein Synonym für „Hausmädchen“ oder Hausmädchen –, alle weiß, wobei vier von ihnen aus Rio de Janeiro stammen. Die letzte Figur dieses Abschnitts ist eine Frau in der Kleidung, die sie im Haus trägt. Der untere Bildstreifen wird ausschließlich von schwarzen Figuren eingenommen. Unter ihnen sehen wir erneut drei „Mocambas“, davon eine aus Rio de Janeiro, eine aus Bahia und eine aus Angola, sowie vier weitere Straßenverkäufer (Wasser, Limonade, Süßigkeiten und Eier), sowie eine Figur, die die Traditionskleidung der Einheimischen in Angola trägt. Angesichts dessen bleibt nichts anderes übrig, als der Frage nach der Urheberschaft der Gemälde etwas mehr Aufmerksamkeit zu widmen. In diesem Zusammenhang sind zwei Möglichkeiten zu berücksichtigen: die Zuschreibung an Carlos Julião zu akzeptieren oder nicht. Wenn wir davon ausgehen, dass die Werke tatsächlich von ihm geschaffen wurden, ist als Erstes die Datierung zu beachten. Auch wenn nur eines davon datiert ist, kann man davon ausgehen, dass beide Gemälde aus dem Jahr 1779 stammen, was zu der Schlussfolgerung führt, dass sie zwangsläufig entstanden sind, während Julião im Dienst der portugiesischen Krone in den Überseegebieten stand. In dieser Zeit befand er sich übrigens wahrscheinlich in Brasilien, da das Datum mit dem der Tafel „Erhebung und Fassade“ übereinstimmt. Daraus lässt sich ableiten, dass die gesamte Sammlung von Figuren aus dem Königreich bereits zusammengestellt war, als Julião Portugal verließ im Jahr 1774 verließ, was bedeutet, dass die Gewohnheit, mit dem Ziel zu zeichnen, „ein Kuriositätenalbum“ zusammenzustellen, somit älter ist als die Reisen „in ferne Gefilde“, wie es Cunha (1960) behauptete. Dies führt uns zu einer weiteren wichtigen Schlussfolgerung: Cunha (1960) behauptete. Dies führt uns zu einer weiteren wichtigen Schlussfolgerung: Das Interesse von Julião an der Erfassung von Menschentypen wurde nicht durch das geweckt, was später als „Exotismus“ der Völker der portugiesischen Überseegebiete bezeichnet wurde. Im Gegenteil, so scheint es, handelt es sich um ein Interesse, das bereits vor der Reise zu den Eroberungen bestand und das möglicherweise von internationalen visuellen Traditionen geprägt ist, wie beispielsweise den Kostümbücher, die illustrierte Reiseliteratur und die Kartografie. Es wäre zu untersuchen, inwiefern Julião diese Traditionen aufgreift. Im Hinblick auf die Übereinstimmung mit der Zuschreibung der Gemälde an Julião gibt es zwei weitere Aspekte, die behandelt werden müssen.& Der erste davon betrifft die angebliche Begabung eines Soldaten für das Handwerk der Ölmalerei. Nun wissen wir – und wir werden später noch Gelegenheit haben, auf dieses Thema zurückzukommen –, dass das Zeichnen im 18. Jahrhundert Teil der militärischen Ausbildung in portugiesischen Militärs, ebenso wie die Unterweisung im Umgang mit Aquarellfarben – beides Instrumente von großem Nutzen für die Tätigkeit dieser Fachleute, insbesondere jener, die direkt mit dem Bauwesen verbunden waren. Die Zeichnung und die Aquarellmalerei ließen sich vor Ort, d. h. außerhalb der kontrollierten Arbeitsbedingungen im Büro, leicht handhaben und waren gleichzeitig äußerst wirksam, um das, was den Vorgesetzten mitgeteilt werden musste, zu „veranschaulichen“ und „deutlich zu machen“. Nicht umsonst gibt es Abhandlungen, die Normen für die militärische Zeichnung im portugiesischen 18. Jahrhundert26 festlegen.
Da es sich bei beiden Werken jedoch um typische Darstellungen des 18. Jahrhunderts handelt, ist es unvermeidlich, dass sowohl die Kastenbilder als auch die Werke von Carlos Julião in gewisser Weise von einer aufklärerischen Mentalität geprägt sind, die darauf abzielt, die Welt zu klassifizieren und zu ordnen. Diese zugrunde liegende Absicht macht soziale Organisationen sichtbar, die von sich aus hierarchisch sind. Bei Carlos Julião besteht nicht die Absicht, ein vollständiges Bild aller Möglichkeiten von sozialen Typen der portugiesischen Welt des Königreichs und Übersee zu erstellen und auf diese Weise eine soziale Struktur aufzuzeigen. Aber es ist durchaus möglich, diese Struktur zu erahnen, die sich in den mehr oder weniger raffinierten Arten der Kleidung andeutet, in der Tatsache, dass alle Schwarzen etwas auf den Schultern oder auf dem Kopf tragen und keiner der Weißen etwas trägt, oder in den Weißen, die die Arbeit der Schwarzen in den Minen beaufsichtigen, oder an der Tatsache, dass die Indigenen in der Nähe der natürlichen Ressourcen leben. In den Kastenbildern hingegen gibt es ein kompositorisches Programm, das eingehalten werden muss – die sechzehn Möglichkeiten der Kreuzung zwischen den drei Rassen, dargestellt durch Paare und ein Kind – was letztendlich verdeutlicht, wie sehr die mehr oder weniger günstig Lebensbedingungen in Neuspanien im 18. Jahrhundert direkt proportional zur Menge an weißem Blut waren, das von dem Typ mitgebracht wurde, der diesen bestimmten sozialen Stand repräsentierte. Da es sich bei den Kasten um eine eigenständige malerische Gattung handelt, ist es nur natürlich, dass sie sich auf Konventionen der geprägten Konventionen der 28 geprägten Malerei28.
Biografie und militärische Laufbahn von Carlos Julião
Carlos Julião ist einer von vielen der unzähligen Beamten, die die portugiesische Krone „on the move“ geschickt hat – um den Ausdruck von Russel-Wood (1998) –, die sich im kolonialen Raum auf vier Kontinenten bewegen. Es handelt sich also definitiv nicht um eine Persönlichkeit, die in Wörterbüchern oder Sammlungen von Biografien berühmter Männer erwähnt wird. Die biografischen Angaben, die durch entsprechende Dokumente belegt werden können, sind noch spärlich und für eine chronologische Rekonstruktion seines Lebensweges ist es notwendig, auf recht verstreute Quellen zurückzugreifen. Die bahnbrechende Arbeit zur Skizzierung einer Biografie von Julião wurde 1960 von Lygia Cunha als Einleitung zur Faksimile-Ausgabe des Albums Riscos iluminados de figurinhos de brancos e negros… , das sich im Besitz der FBN in Rio de Janeiro befindet (Cunha 1960). Silvia Hunold Lara (2002 und 2007) führte die bereits von Cunha skizzierte Biografie weitgehend fortgeführt und einige Hypothesen hinzugefügt, wie zum Beispiel jene bezüglich des Sterbeortes des Künstlers. Einen entscheidenden Schritt zur Vertiefung dieser Frage unternahm Maria Manuela Tenreiro (2007 und 2008), die anhand einer Auswertung von Dokumenten in den portugiesischen Archiven das Manuskript aus der Nationalbibliothek von Portugal (auf das wir später noch eingehen werden) sowie verschiedene andere wichtige Informationen ans Licht brachte. Eine weitere hervorzuhebende Quelle in diesem Zusammenhang ist der kurze Text von Carlo Burdet (1986), der als Erster auf die Nähe zwischen Julião und dem Oberst Carlo Antonio Napione (1756–1814) ab 1801, als der Metallurg und Mineraloge aus Turin ab 1801 in den Dienst der portugiesischen Armee als Inspektor des Königlichen Armeearsenals trat. Sowohl Cunha als auch Lara und Tenreiro sind der Ansicht, dass Julião& nbsp;innerhalb der Reihen der portugiesischen Armee als Ingenieur tätig war, wie aus den folgenden Aussagen hervorgeht: „Aus den uns vorliegenden Daten geht nicht hervor, wann er die Befugnis als Ingenieur erhielt“ (Cunha 1960) oder „an engineer by training“29 (Lara 2002) oder auch „Julião, der als Ingenieur in der portugiesischen Kolonialarmee diente“ (Tenreiro 2007). Um die Entstehung des ikonografischen Werks von Carlos Julião angemessen zu verstehen, ist es daher von vorrangiger Bedeutung, seine Rolle im Kontext der Tätigkeit der Militäringenieure im portugiesischen 18. Jahrhundert zu bewerten.
1. Herkunft und Ausbildung
Wie aus mehreren der Dokumente hervorgeht, wurde Julião in der Stadt Turin, der damaligen Hauptstadt des Königreichs Sardinien31, im Jahr 1740.
2. Berufseinstieg bei der Armee
Auch die Tatsache, dass Julião in einer Zeit tiefgreifender Umstrukturierung der portugiesischen Armee nach Portugal übergegangen ist, eine Tatsache, die einige Überlegungen verdient. Die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts entspricht einer Phase der Modernisierung und Organisation& nbsp;der Armee als Institution in Portugal, während sie zugleich das Aufkommen des Militärs als soziale Kategorie in diesem Land offenbart. Es ist Boxer der uns an die völlige Unbeliebtheit und den Mangel an Ansehen die der Militärdienst bis dahin unter den Portugiesen genoss, was vor allem darauf zurückzuführen war, dass die Kroneein „schlechter Arbeitgeber“ war, der „schlecht, verspätet oder gar nicht“ zahlte (2002:310–325). Ein weiterer Faktor, der zum schlechten Ruf des Wehrdienstes beitrug, war das System der Einberufung, das durch die „Einberufungskolonnen“ durchgeführt wurde, die das Inland durchstreiften des Landes durchstreiften und die diensttauglichen jungen Männer praktisch gewaltsam in die Armee zwangen. Laut Marques (1981) gab es bis in die Pombal-Ära gab es im Heer noch Praktiken, die dazu führten, dass dessen Organisation eine Schichtung widerspiegelte, wie sie für die portugiesischen Gesellschaft widerspiegelte. Grob gesagt besetzte der Hochadel aufgrund von Tradition und Erblichkeit die Führungspositionen innehatte, während der Rest des Offiziersstand aus einer kleinen provinziellen Aristokratie stammte, die auf die Gunst eines „Großen“ zählen konnte. Die Kader wurden durch Abenteurer und Randfiguren ergänzt, die sich als Freiwillige oder als Soldaten anboten, die es geschafft hatten, in der Hierarchie aufsteigen konnten, indem sie den Erfolg eines Feldzugs ausnutzten. Die Untätigkeit der Armee& nbsp;war bereits teilweise anlässlich des Erdbebens zu spüren gewesen, das Lissabon im November 1755 heimsuchte (Marques 1981:30), als die Offiziere nicht in der Lage waren, das Chaos einzudämmen, das sich rasch in der Stadt ausbreitete. Doch der Prozess, der die notwendige Professionalisierung der Streitkräfte in Portugal war der Krieg des Familienpakts oder Fantastische Krieg, wie der Teil des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) genannt wurde, der auf portugiesischem Gebiet zwischen& Mai und November 1762 auf portugiesischem Gebiet stattfand. Der Konflikt entstand aus der Weigerung von D. José I., dem Familienpakt der Bourbons aus Frankreich, Spanien, Neapel und Parma gegen England und Preußen. Nachdem das Ultimatum nicht befolgt worden war, wonach Portugal seine Häfen für englische Schiffe schließen sollte, wurde das Land von französisch-spanischen Truppen über die Grenze von Trás-os-Montes am 5. Mai 1762. Zu dieser Zeit war die portugiesische Armee schon seit geraumer Zeit auf die Hälfte seiner Stärke „reduziert“, „alle schlecht bewaffnet und schlechter diszipliniert“ (Cordeiro 1895:191). Im Jahr 1761 wurde die Truppe seit anderthalb Jahren kein Sold mehr gezahlt worden, und die Soldaten griffen häufig auf Bettelei und Gewalt zurückgriffen (Marques 1981:31). Angesichts der alarmierenden Zahl von Desertionen wurden einige Notfallmaßnahmen erfolgreich von der Verwaltung des damaligen Grafen von Oeiras ergriffen, zur Aufstockung der Truppenstärke ergriffen, wie zum Beispiel die Auszahlung ausstehender Soldzahlungen. Bis September 1762 wird die Armee von achtzehn auf sechzigtausend Mann anwachsen. Doch wie es in der Vergangenheit war es angesichts des Konflikts jedoch notwendig, erneut auf ausländische Hilfe zurückzugreifen , um die Militärstreitkräfte aufzustocken und sie angemessen für die Auseinandersetzung mit den Eindringlingen auszurüsten. Der König Georg III. von England sandte nach Portugal eine Truppe von achttausend Mann, begleitet von mehreren hochrangigen Offizieren, die in Kommandoposten der portugiesischen Armee eingesetzt werden sollten. Ebenfalls auf Empfehlung der Engländer traf die Persönlichkeit im Land ein, die eine führende Rolle im Prozess der Modernisierung der Streitkräfte in Portugal spielen sollte: der Graf von Schaumburg-Lippe (1724–1777) 38, den König José I. zum Generalmarschall ernannte und zum Oberbefehlshaber der portugiesisch-britischen Armee am 10. Juli 1762 ernannte.
3. Reise in die Bundesstaaten Indiens
Im Zusammenhang mit den „Landungen“, die in Ihrem Einzelakte erwähnt wurden, geht hervor, dass Julião angeblich auch nach „Brasilien, Indien und China“ gereist sein soll, obwohl in diesem Dokument die Daten dieser Reisen nicht genannt werden. Erneut greifen wir auf die Unterlagen in anderen Archiven zurück, um den Charakter der Missionen von Julião in den portugiesischen Überseegebieten zu klären. Beginnen wir mit einem Brief von Oberst Weinholtz, der an den Grafen von Lippe gerichtet und datiert ist auf Faro, 21. Mai 1777. Darin berichtet der Oberst des Artillerieregiments von Lagos, dass Mon ancien Régiment im im Jahr 1774 in große Abteilungen aufgeteilt wurde, von denen die ersten an Bord der Schiffe des Königs gingen und die letzten, die aus fünf Kompanien bestanden, begaben sich auf Befehl von Seiner Majestät in dieses Land, wo sie zusammen mit anderen ähnlichen Abteilungen aus anderen Artillerieregimentern ein neues Artillerieregiment unter dem Kommando von Herrn Ferrier ein neues Artillerieregiment gebildet. 55
Wir wissen, dass Julião erst im Juli 1780 nach Lissabon zurückkehren würde. Da die Aufständerung und Fassade, ein im vorigen Kapitel analysiertes Werk, das Datum Mai 1779 trägt, erscheint es durchaus plausibel anzunehmen, dass das Schiff „Nossa Senhora da Madre de Deus“, auf der der Offizier diente, auf ihrer Rückreise aus Asien in Salvador vor Anker gegangen ist. Im Übrigen sollte man bedenken, wie Boxer (2002: 234) hervorhebt, dass die portugiesische Krone stets versucht hat, zu verhindern und sogar zu verbieten, dass die Schiffe der Indienfahrt in Brasilien anlegten. Gründe für dieses Verbot waren die große Zahl von Desertionen, die durch die Zwischenstopps verursacht wurden, sowie die Entstehung eines umfangreichen illegalen Handels mit orientalischen Waren im Tausch gegen Gold und brasilianischen Tabak. Dennoch wurde Mitte des 18. Jahrhunderts unter verschiedenen Vorwänden – die von der Notwendigkeit von Reparaturen über den Mangel an Proviant bis hin zu schlechten Wetterbedingungen reichten – der Zwischenstopp in Brasilien, und zwar immer häufiger in Salvador, zur gängigen Praxis und wurde sogar von der portugiesischen Regierung bestätigt. Wenn man bedenkt, dass die Reise von Salvador nach Lissabon etwa zweieinhalb bis drei Monate dauerte und dass Julião im Portugal im Juli 1780 in Portugal eintraf, lässt sich leicht vermuten, dass das Schiff Brasilien etwa im April dieses Jahres verlassen hat. Was das Ankunftsdatum im Land betrifft, können wir jedoch vorerst nur von Vermutungen ausgehen. Angesichts einer Reise, die sechs bis acht Monate dauerte, versuchten die Schiffe, die Goa in Richtung Lissabon verließen, Ende Dezember in See zu stechen, um zu vermeiden, dass sie den Breitengrad des Kap der Guten Hoffnung mitten im Winter erreichten, wenn die Schifffahrt durch Stürme in der Region erheblich erschwert wird. Sofern diese Regel im Fall des Schiffes Madre de Deus eingehalten wurde, müssen die Reisenden im März oder April 1779 in Brasilien angekommen sein müssen. Dies lässt darauf schließen, dass Julião sich mindestens etwa ein Jahr lang im Land aufgehalten hat. Ebenso bewegen wir uns im Bereich der Hypothesen, was die Orte betrifft, die er auf brasilianischem Gebiet durchreist haben könnte. Aus seinem bildnerischen Werk lässt sich ein Aufenthalt in Salvador (Ansicht und Fassade) sowie in Rio de Janeiro und im Diamantino-Distrikt des Serro do Frio in Minas Gerais (Figuren von Weißen und Schwarzen, aus der FBN) ablesen. Andererseits finden wir in einem Briefwechsel zwischen dem Gouverneur von Pernambuco, D. Tomás José de Melo, und dem Sekretär Martinho de Melo e Castro, datiert auf den 19. Dezember 1788 datiertem Briefwechsel zwischen dem Gouverneur von Pernambuco, Dr. Tomás José de Melo, und dem Sekretär Martinho de Melo e Castro finden wir eine Erwähnung des Namens Julião. In dem Brief betont der Gouverneur die Notwendigkeit einer Neuorganisation der Regimenter von Olinda und Recife betont und beklagt den Verfall des Artilleriekorps. Seiner Meinung nach bestünde die Lösung darin, einen Offizier im Rang eines Hauptmanns nach Pernambuco zu holen, „für diesen Posten fällt mir ein sehr fähiger Mann ein, nämlich Carlos Julião, Hauptmann einer der graduierten Kompanien des Artillerieregiments des Hofes“. Diese Erwähnung könnte darauf hindeuten, dass Julião sich ebenfalls in Pernambuco aufgehalten habe, wo er den Gouverneur kennengelernt hätte. Wir wissen jedoch, dass d. Tomás José de Melo im Dezember 1787 das Amt des Gouverneurs der Kapitanie antrat und elf Jahre lang im Amt blieb. Zu dieser Zeit war unser Offizier bereits nach Lissabon zurückgekehrt, wo das Treffen der beiden höchstwahrscheinlich stattgefunden hat. Während Julião in Indien im Dienst stand, ereigneten sich in Portugal wichtige Ereignisse, Indien diente, von denen einige Auswirkungen auf den weiteren Verlauf seiner Karriere in der Armee haben sollten. Im Jahr 1776 wurde beispielsweise die Eingliederung aller Angehörigen des ehemaligen Artillerieregiments von Lissabon (dem auch Julião angehörte) in das Hofartillerieregiment angeordnet. Andererseits führte der Tod von König José I. im Februar 1777 dazu, dass „die fromme“ Königin Maria I. auf den Thron, was die Entmachtung des bis dahin allmächtigen Ministers, des Marquis von Pombal, zur Folge hatte und den Beginn der als „Viradeira“ bekannten Epoche einläutete. Was die Armee betrifft, so stellte die „Viradeira“ einen gewissen Rückschritt im Hinblick auf den Prozess der Professionalisierung des Militärs dar, der während der Pombal-Ära in Gang gesetzt worden war. Die Armee erlebte die Rückkehr der ehemaligen Aristokraten in Führungspositionen, und es breitete sich ein gewisses Klima der Feindseligkeit gegenüber den Ausländer, die als Offiziere dienten.
4. Die Rückkehr nach Portugal und das Streben nach Anerkennung
Natürlich berechtigte eine lange Dienstzeit in den überseeischen Gebieten die Betroffenen dazu, Vergünstigungen in Form von Gnaden und Coroa zu beantragen, und es gibt keinen Grund, nicht davon auszugehen, dass Beförderungen Beförderungen durch die Krone zu beantragen, und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass Julião sich nicht auf diese Praxis verlassen habe, die bis in die Zeit der Entdeckungen zurückreichte, um auf Belohnungen zu warten, die er für verdient hielt. Tatsächlich begann unser Offizier seit seiner Rückkehr nach Lissabon im Jahr 1780 eine Reihe von Schreiben, in denen er Gnadenbeweise als Vergütung für seine geleisteten Dienste fordert. Zunächst fordert er den Kapitänsposten, der ihm versprochen worden war und der ihm seiner Meinung nach nur deshalb nicht gewährt worden war, weil er sich nicht am Hof aufhielt. Wie aus der folgenden Passage deutlich hervorgeht, fühlte sich Julião übergangen, denn wäre da nicht die Ernennung zum Kapitän auf der Nossa Senhora da Madre de Deus gewesen, wäre der Stellvertreter bei der Beförderung, die im Jahr 1776 in seinem Regiment stattfand, Feuerwehrhauptmann geworden wäre, da er sich im fernen Dienst befand und daher übergangen wurde. Da feststeht, dass derselbe Julião im Jahr 1776 Feuerwehrhauptmann war, wobei er aufgrund seiner Tätigkeit im fernen Dienst übergangen wurde. 1776 in seinem Regiment stattfand, bei der er jedoch, da er sich im fernen Einsatz befand, übergangen wurde. Es steht fest, dass derselbe General McLean62 dem Oberst Dalemcour63 gegeben hatte, dass er, sobald der Stellvertreter aus Indien zurückkehren würde, ihn zum Feuerwehrhauptmann ernennen würde, wie aus der Bescheinigung desselben Dalemcour hervorgeht.
5. Arsenal Real do Exército
In jenem Jahr 1795 erhielt Julião seinen ersten Dienstgrad als höherer Offizier, nämlich den eines Oberfeldwebel, nun mit Dienstort im Königlichen Heeresarsenal. An diesem Ort sollte sich der Rest seiner militärischen Laufbahn entfalten. Als Julião zum Arsenal der Armee versetzt wurde, war dieses eine der größten Produktionsstätten Portugals und beschäftigte mehr als tausend Mitarbeiter in 25 verschiedenen Werkstätten. Dort konzentrierte sich der gesamte Prozess der Herstellung von Kriegsmaterial (Waffen und Munition) zur Versorgung der Armee und der Marine des Landes konzentriert, ebenso wie die Logistik ihrer Lagerung und Verteilung an die Streitkräfte des Königreichs und in Übersee. In seinen Werkstätten wurden zudem alle Bestandteile der Uniformen der am Hof und in den Kolonien dienenden Offiziere hergestellt, ebenso wie weitere Gegenstände, wie zum Beispiel chirurgische Instrumente. Das Arsenal beherbergte zudem ein bedeutendes Zentrum für künstlerische Ausbildung, die Schule für Zeichnen, Gravur und Metallbearbeitung, in deren Werkstätten zwei der repräsentativsten Werke der portugiesischen Kunst am Ende des Ancien Régime entstanden sind: die Reiterstatue von D. José I. und das Silbergeschirr, das der Regent D. João dem Herzog von Wellington im Jahr 1814 schenkte. Im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts umfasste das Arsenal einen Komplex aus drei Gebäuden: die sogenannten Gießereien „de Baixo“, „de Cima“ und „de Santa Clara“. Die Gießerei „de Baixo“ befand sich in dem Gebäude, das heute vom Militärmuseum von Lissabon genutzt wird, welches die alten Artillerielager, die durch das Erdbeben von 1755 zerstört worden waren. Die Gießerei von Cima war in Gebäuden neben der Kirche Santa Engrácia, dem heutigen Nationalpantheon, die Anfang der 1760er Jahre für die Herstellung von Geschützen umgebaut worden waren. In den 1770er Jahren wurde der Komplex um die Gießerei von Santa Clara erweitert, die auf den Ruinen des ehemaligen Klarissenklosters aus dem 13. Jahrhundert errichtet wurde – eines der bedeutendsten Klostergebäude Lissabons, das durch das Erdbeben vollständig zerstört worden war. Dort konzentrierten sich die Waffenfabriken sowie Wohnhäuser für Offiziere. Die Organisation des Arsenals, sowie die erhebliche Ausweitung seiner Tätigkeit in dieser Zeit muss im Kontext der Umstrukturierungen innerhalb der portugiesischen Streitkräfte durch den Graf von Lippe durchgeführten Umstrukturierungen der portugiesischen Streitkräfte zu verstehen, der für die Umbenennung der ehemaligen Tenência in Königliches Armeearsenal umbenannt wurde. Bartolomeu da Costa (1731–1801) spielte ebenfalls eine wesentliche Rolle in der Leitung der Einrichtung, die er von 1762 bis zu seinem Tod ausübte. Als Berufssoldat und Ingenieur zeichnete sich Costa als der bedeutendste Artilleriegießer Portugals aus; er war dafür verantwortlich, die Kaliber der Geschütze festzulegen und Spezialöfen für die Fertigung zu bauen. Im Jahr 1774 wurde er zum Brigadier befördert und zum Generalintendanten der Gießereien ernannt als Anerkennung für seine Verdienste bei der Herstellung der& Reiterstandbild von D. José I. zu würdigen. Um die Tätigkeiten von Julião im Arsenal nachzuvollziehen, muss man auf seine Personalakte zurückgreifen. Ein von Bartolomeu da Costa unterzeichnetes Gutachten vom 31. März 1800 ist an den Kriegsminister gerichtet und hebt die Aufgaben von Julião hervor. In dem Dokument heißt es, dass Julião von Seiner Königlichen Hoheit zur Unterstützung des Regiments der französischen Emigrantenartillerie ernannt, wobei er vom Arsenal die notwendigen Güter& nbsp;für die Reparaturen des Artillerietrems dieses Regiments und der Waffen der britischen Hilfsflotte anforderte. In der Beurteilung wird der Offizier für sein Engagement und seinen Eifer bei allen Aufgaben gelobt. Im Jahr 1800, im Alter von 60 Jahren, Julião leitet das Verfahren zur Beantragung einer neuen Beförderung zum Rang eines Oberstleutnants. Seine Ernennung, die durch die Dienstzeit und die im Inventar des Königlichen Arsenals geleisteten Tätigkeiten begründet war, erfolgte am 14. November 1802 erteilt, obwohl die Ernennungsurkunde erst im November 1804 ausgestellt wurde. Anlässlich dieses Antrags verfasste Julião ein Dokument, das heute seiner persönlichen Akte beigefügt ist, die im AHM (Militärhistorisches Archiv) aufbewahrt wird. In diesem Text listet er seine wichtigsten Erfolge in der portugiesischen Armee auf, wenn auch ohne konkrete Datumsangaben. Dieses Dokument diente Autoren wie Cunha (1960), Lara (2002 und 2007) und Tenreiro (2007 und 2008) als Grundlage für die Erstellung von Biografien über Julião. Im Jahr 1801 taucht Carlos Julião als Übersetzer eines von der Druckerei „Arco do Cego“ veröffentlichten Werkes mit dem Titel „Erfahrungen und Beobachtungen über die Legierung von Bronzen, die beim Gießen von Artilleriegeschützen verwendet werden sollen“ von Carlos Antonio Napion, Leutnant -Oberstleutnant der Hofartillerie. Die Übersetzung, angefertigt von Julião, wird wie folgt angegeben: „Carlos Julião, Oberfeldwebel im Dienst des Königlichen Arsenals. Lissabon in der Typographia Chalcographica, Typoplastica und Litteraria do Arco do Cego. Anno MDCCCI.“ Auf höheren Befehl. Ihr Verfasser, der Offizier Carlo Antonio Galeani Napione, stammte ebenfalls aus Turin und war im Jahr zuvor auf Einladung des Sekretärs für Marine und Übersee, d. Rodrigo de Sousa Coutinho (1755–1812)80.
- Acajaiba / Acajaiba / Acajaiba Baum aus Brasilien stammender Baum, eine Art Cashewbaum, die den Namen Zeder von St. Domingos trägt. Der Stamm ist so dick, dass man daraus Kanus mit einer Länge von 40 Fuß und einer Breite von 6 Fuß herstellt. Das Holz ist rötlich, es gibt aber auch Exemplare mit gelben und weißen Flecken; es lässt sich gut polieren und verrottet kaum verrottet, aus ihm werden Möbel gefertigt, die ihren sanften Duft auf die Kleidung übertragen. Die Schale ist braun und dick, die Blätter sind klein und dunkelgrün, die Frucht ist herzförmig, immergrün und enthält gewöhnlich 4 sehr bittere Mandeln, die von einer dicken Schale umgeben sind.
- Baonilha / Vanille / Vanilla Strauch der wie Efeu an Bäume wie Efeu emporrankt, die Blätter in hellgrüner Farbe, die das Auge erfreuen, lang, schmal und spitz zulaufend. Nach sieben Jahren bildet er einige Hülsen heraus, die kleine Körnchen enthalten, vermischt mit einer Art dunklem, balsamischem Fruchtfleisch und sehr duftendem Fruchtfleisch, das die Hauptzutat der Schokolade ist und dieser wunderbare Eigenschaften verleiht. Es gibt drei Arten, die sich durch den Stamm oder durch den unterschiedlichen Reifegrad unterscheiden. Die erste, die sogenannte Pompona oder Bova, hat einen sehr intensiven Geruch; die zweite, längere Sorte hat einen köstlichen Geruch, sie wird unter dem Namen echte Vanille verwendet; die dritte hat kaum Geruch, die beste stammt aus Mexiko oder Peru, die aus Indostan ist von monströser Dicke und duftet nach Pflaumen. Früher diente diese Zutat dazu, den Tabak zu parfümieren, aber die Düfte unterliegen, wie die meisten Dinge, dem Trend.
Das Wörterbuch von Julião verdient einige Anmerkungen. Schon die Wahl des Wörterbuchformats zur Darstellung der Informationen verweist auf die Struktur der Encyclopédie von Diderot und d’Alembert, dem großen Paradigma der Aufklärung bei der Systematisierung des Wissens. Die Tatsache, dass es sich um ein „Werk von höchster Gelehrsamkeit“ handelt, wie es im Titel heißt, entspricht ebenfalls den Erwartungen und der Ausrichtung der Aufklärung in Portugal, ebenso wie im übrigen Europa, hinsichtlich der Verbreitung von „nützlichem Wissen“. Im Vorwort, das sein Werk einleitet, argumentiert Julião, dass „es in dieser Beschreibung weder um irgendein botanisches System noch um die medizinischen Wirkungen der Pflanzen geht“, eine Aufgabe, die den großen Wissenschaftlern& und nicht einem Mann wie ihm, der nur „begrenzte Kenntnisse“ besitzt. So entzieht sich der Autor behält sich in gewissem Maße die Verantwortung vor, sich – da er kein Wissenschaftler ist – an die Erstellung eines Werks heranzuwagen, das in den Bereich der wissenschaftlichen Forschung abrutscht. Noch wichtiger ist, dass Julião dabei die Bedeutung des praktischen Wissens und der Erfahrung hervorhebt, die lehren, den Nutzen& nbsp;und den angemessenen Umgang mit den natürlichen Ressourcen zu erkennen, die zur Verfügung stehen. Von den Arten, die im Wörterbuch aufgeführt sind, sind es vor allem die Bäume, denen der Autor die meiste Aufmerksamkeit widmet, wobei er feststellt, dass „das Wissen um die Festigkeit und Beschaffenheit der Hölzer für jegliche Bauwerke sowie deren Kombination zweifellos der interessanteste Punkt und der Hauptgegenstand ist, auf den sich diese Abhandlung bezieht“. Gewiss konnte die Ermittlung von Daten zur Festigkeit von Hölzern nur durch Experimente erreicht werden, und tatsächlich spielt der Autor& verweist im Vorwort auf Versuche dieser Art, die im Arsenal durchgeführt wurden. Möglicherweise handelt es sich um dieselben Experimente, denen sich Napione widmete und auf die Burdet (1991) Bezug nimmt. Carlos Julião bekräftigt im weiteren Verlauf die Bedeutung des Holzes in den unterschiedlichsten Bereichen: in den Arsenalen der Marine, für den Bau von „Kadetten, Masten, Rahen, Kavernen, Ruder und Seitenbrettern. Auf dem Wasser erheben sich die gigantischen Bauwerke, die eher wie schwimmende Villen als wie Schiffe wirken“; in den Arsenalen der Armee, für den Bau von „Maschinen, Vorrichtungen, Artilleriesanierungen, verschiedene Feldwagen, Gewehrschäfte und viele Ausrüstungsgegenstände, die zum Artillerietreibzug und zu weiteren Kriegsgeräten gehören“; und im Zivilbau, zur Herstellung von „Balken, Träger, Bretter und Planken“. Er schließt mit den Worten: „Alles aus Holz wird verwertet: Denn wenn es nicht für Bauarbeiten taugt, dient es als Brennstoff oder zur Herstellung von Holzkohle, und sogar die Asche in den Fässern wird verwertet“. Es darf nicht übersehen werden, dass die Untersuchung über Hölzer zu jenem historischen Zeitpunkt, wie Pataca (2006:396) in Erinnerung ruft, mit den neuen Anliegen entsprach, die von D. Rodrigo de Sousa Coutinho bei der Übernahme des Ressorts des Sekretariats für Marine- und Überseeangelegenheiten im Jahr 1796 zum Ausdruck gebracht wurden. Nun, diese Bedenken waren gar nicht so neu. Bereits seit der Amtszeit von Melo e Castro, seinem Vorgänger, wurde die Frage der Rationalisierung des Holzeinschlags diskutiert. Man war sich bewusst, dass die Ressourcen begrenzt waren, da bereits die Holzproduktion im Königreich zurückging. Die Bemühungen von Coutinho wurden daher verstärkt, um die Brandrodungen und den wahnsinnigen Abholzung zu bekämpfen, diese zu regulieren und die rationelle Nutzung der Ressourcen zu fördern, um deren bestmögliche Verwertung zu gewährleisten. Zu diesem Zweck erteilte er dem gesamten „Informationsnetzwerk“, bestehend aus Naturforschern, Gouverneuren und der intellektuellen Elite der Kolonien , damit die Eigenschaften der Hölzer vor Ort wissenschaftlich beschrieben und die Optimierung ihrer Nutzung geplant werden konnten. Neben der Förderung der Erforschung der Hölzer, die für den Schiffbau und die Waffenherstellung unerlässlich waren,& widmete sich Coutinho auch der Förderung von Forschungen zum Salpeter, dem Rohstoff für die Herstellung von Schießpulver. Es sei daran erinnert, dass sich der Kontext, in dem Coutinho das Sekretariat übernahm, deutlich von dem unterschied, der während der Amtszeit von Melo e Castro. Die Wahrscheinlichkeit, dass Portugal oder gar Brasilien von Spanien oder von Frankreich erobert würden, wurden von Tag zu Tag konkreter, was sicherlich dazu beitrug, dass der Sekretär der Untersuchung dieser Materialien große Bedeutung beimaß. Die Bemühungen von Julião bei der Erstellung des Diccionario muss daher vor diesem Hintergrund verstanden werden. Ebenso darf nicht außer Acht gelassen werden, dass der Beamte, nachdem er bereits das Werk von Napione für den Tipografia do Arco do Cego übersetzt hatte, strebte der Offizier vielleicht an, dass sein eigenes Werk bei demselben Verlag veröffentlicht würde. Erinnern wir uns an die Bedeutung der Initiative zur Gründung der Casa Literária do Arco do Cego für die Verbreitung von wissenschaftlichen Forschungen im Portugal des 18. Jahrhunderts. Obwohl sie nur von kurzer Dauer war – sie bestand lediglich zwischen 1799 und 1801 –, erreichte die Arco do Cego entwickelte ein System der beispiellosen Veröffentlichung in der Geschichte des gedruckten Buches in Portugal, wie Faria in Erinnerung ruft, und entwickelte sich zu einem Zentrum für die Verbreitung von nützlichem Wissen, das auf die Verbesserung von landwirtschaftlichen Techniken, der Modernisierung der Methoden zur Nutzung natürlicher Ressourcen, Studien zur brasilianischen Flora sowie der Übersetzung wissenschaftlicher Werke ins Portugiesische, um nur einige zu nennen. Sie war Teil eines größeren Projekts im Geiste der Aufklärung unter der Leitung von Sousa Coutinho, das darauf abzielte, Reformen durchzuführen und die Tätigkeit des Staates zu rationalisieren. Im Rahmen der unter der Leitung des Botanikers Bruder José Mariano da Conceição Veloso (1742–1811) verfolgten redaktionellen Ausrichtung spielten die Agrarwirtschaft und die Naturgeschichte spielten eine vorrangige Rolle. Angesichts dessen sah Julião darin vielleicht die Chance, „den Ruhm, mich bei den so weisen Gelehrten des Landes als empfehlenswert zu erweisen“, wie er im Vorwort des Wörterbuchs feststellt, und seine wissenschaftliche Begabung anerkannt zu sehen. Schließlich sollte die Veröffentlichung seiner Studie über Hölzer erst einige Jahre später erfolgen und zudem nur teilweise Napione ließ posthum in der Zeitung O Patriota in Rio de Janeiro einen Artikel von Carlos Julião veröffentlichen lassen, der in der Ausgabe vom November–Dezember 1814& nbsp;unter dem Titel „Beobachtungen von Oberst Carlos Julião zu einigen Hölzern Brasiliens“. Der Artikel folgt dem Format des Diccionario und stellt die Eigenschaften von 25 brasilianischen Holzarten vor. Im Juli 1802 taucht der Name von Carlos Julião in einer Liste von sechs Offizieren auf, die zur Frage der Zweckmäßigkeit der Einführung neuer Kaliber für die Artillerie der portugiesischen Armee, die im Feld eingesetzt werden sollten. Die weiteren Namen, die in dieser Konsultation genannt werden, sind: der Feldmarschall Quief de Ville, der Major Jean-Philippe de Tardy, der Marschall Graf von Vioménil, der Generalleutnant Leonardo Aleixo, Ritter von Chalupe, sowie Napione, der in dem Dokument als Charles Napion bezeichnet wird. Das Gutachten, das Julião bei dieser Gelegenheit vorlegt, erscheint durchaus vernünftig. Der Offizier sprach sich für die Beibehaltung der bereits verwendeten Kaliber aus und argumentierte, dass die Tatsache, dass sie kleiner seien, keinen Nachteil darstelle, sondern vielmehr dazu führe, dass sie leichter zu führen seien, was angesichts der unwegsamen Topografie des portugiesischen Territoriums von Vorteil sei. Er begründet dies auch damit, dass das von den Portugiesen verwendete Kaliber das gleiche sei wie das der meisten anderen Nationen, einschließlich Englands – „unseres Verbündeten“, schreibt er – was im Falle einer eventuellen dringenden Hilfsanfrage stets ein begünstigender Faktor gewesen wäre. Ein Wechsel des Kalibers hätte hingegen die Entsorgung des gesamten bereits vorhandenen Kriegsmaterials bedeutet, was zweifellos immense Kosten für die Staatskasse Portugals verursacht hätte. Es lohnt sich, die übrigen Gutachter zu identifizieren, die alle französischer Herkunft waren. Jean-Philippe Tardy de la Brossy (1751–?) und Léonard-Alexis, Graf von Chalup de Fareyron (1738–?) waren beide Offiziere der französischen Königlichen Armee, die im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg dienten. Auch der Graf von Vioménil, Charles-Joseph-Hyacinthe du Houx (1734–1827), hatte in den Vereinigten Staaten gekämpft und sich im Feldzug so sehr hervorgetan, dass er 1789 zum Gouverneur von Martinique ernannt wurde. Mit dem Ausbruch der Terror trat er in die Armee ein, die von Prinz Louis V. Joseph de Bourbon-Condé (1736–1818) organisiert worden war – eine von mehreren Armeen royalistischer französischer Emigranten, die sich mit Großbritannien, Russland und Österreich gegen das revolutionäre Frankreich vereinen . a4111>. Als emiglierter Soldat wurde er 1801 vom späteren Grafen von Linhares nach Portugal berufen, um einer der Kommandeure der portugiesischen Armee zu werden. Die Einladung eines ausländischen Offiziers zum Kommando über die portugiesischen Streitkräfte war nicht gerade eine Neuheit. Doch die von D. Rodrigo de Sousa Coutinho ergriffene Maßnahme sowie die Sorge um die Feldartillerie – die in der Einholung von Stellungnahmen verschiedener Offiziere zum Ausdruck kam – deuten darauf hin, dass Portugal bereits in einer Kriegsatmosphäre lebte. Tatsächlich wurde seit 1796 mit einer Invasion des Landes. In jenem Jahr hatte der Vertrag von Santo Ildefonso ein Offensiv- und Defensivbündnis zwischen Frankreich und Spanien besiegelt worden war, was der expansionistischen und anti-britischen Politik von Bonaparte sehr entgegenkam, die sich zudem nach dem 18. Brumaire noch verstärkte. Die Kriegserklärung Spaniens gegen England polarisierte die Iberische Halbinsel endgültig und zwang die Portugiesen, ihre bis dahin mit großem Eifer gewahrte Neutralität aufzugeben. Angesichts dieser Bedrohung wandte sich Portugal erneut an England, um militärische Hilfe zu erhalten. Ab 1797 entsendet Georg III. Verstärkungstruppen nach Lissabon, zu denen nicht nur englische und irische Offiziere, sondern auch drei Regimenter französischer Emigranten im Dienst von Großbritanniens standen ( Cordeiro 1895). Gerade die Vorkehrungen bezüglich des erforderlichen Materials für die Reparatur von Waffen und Artillerie dieses ausländischen Kontingents beschäftigt sich Julião im Königlichen Arsenal, wie in seiner Einzelakte erwähnt, auf die zuvor Bezug genommen wurde. Portugal würde tatsächlich in den Konflikt im Februar 1801 tatsächlich verwickelt. In nur achtzehn Tagen eroberten die spanischen Streitkräfte& nbsp;eroberten alle wichtigen Städte des Alto Alentejo, was den Sturz des achtzigjährigen Herzog von Lafões und zwang die Krone dazu, über neue Namen für das Kommando der portugiesischen Armee nachzudenken. Der Kriegwar letztendlich von kurzer Dauer, da der Friedensvertrag im Madrid im September 1801 unterzeichnet werden sollte. Er sollte jedoch den Auftakt zum Halbinselkrieg bilden, der durch die französische Invasion in Portugal im Jahr 1807 auslöste. Es ist unnötig und sogar übertrieben, hier noch einmal auf die Auswirkungen der Ereignisse einzugehen, die sich seitdem ereigneten; es genügt, an das Ereignis zu erinnern, das die größten Folgen& nbsp;auf die Geschichte von Portugal und seinen Kolonien sowie auf die Karriere von Carlos Julião: die Verlegung der Königsfamilie und ihres Hofes nach Brasilien. Am 27. November 1807 schiffte er sich am Kai von Belém ein und 27. November 1807 an Bord ging, war der Brigadegeneral Carlo Napione, der, wie wir gesehen haben, in Rio de Janeiro eine wichtige Rolle spielen sollte. Der Brigadier hinterließ somit die Stelle des Inspektors des Königlichen Armeearsenals sowie der Schießpulverfabriken von Barcarena sowie der Salpeterraffinerie von Alcântara. Durch einen Erlass vom selben Tag, das von der Kaserne von Junqueira erlassen wurde, wurde Julião darüber informiert, dass der „Herr General Marques de Vagos anordne, dass Eure Exzellenz bis zu einem neuen Befehl desselben Herrn die Posten des Inspektors des Königlichen Armeearsenals wahrnehmen solle“. Es sei daran erinnert, dass der Offizier im April 1805 der Offizier das Offizierspatent eines Artillerieobersts erhalten hatte. Allerdings war der Oberst Julião war mit dem Verfahren, das für seine Ernennung als Nachfolger von Napione angewandt wurde, nicht ganz einverstanden. Nur wenige Tage später, am 1. Dezember, wandte sich der Offizier wandte sich in einem Brief an D. Miguel Pereira Forjaz (1769–1827) und bat um eine offizielle Ernennung für den Posten des Inspektors des Arsenals mit der Begründung, dass „Der Exzellenz General und Markgraf von Vagos befahl, dass der besagte Oberst Julião die Kommissionen des Brigadegenerals zu ersetzen.“ In dem besagten Arsenal gibt es eine bevollmächtigte Kommission mit Augusto Nome de S.A., (…) und diese wurde lediglich über die erwähnte Stellenvakanze informiert wurde, die Ernennung desselben Oberstes vorgenommen. Beide dieser Ernennungen erlauben zwar die Ausübung seiner Aufgaben im Arsenal, doch sind diese Aufträge eine Gnade von S. A.R. gewährt, die hier durch Dekret erteilt wurde, und sollte die besagte Ernennung& nicht von dieser Obersten Regierung vorgenommen wurde, da Seine Königliche Hoheit als Einziger befugt ist, Gnaden zu gewähren, könnte dies zu Unannehmlichkeiten bei der zügigen Erledigung des Dienstes führen, daher bittet der Unterzeichnende Carlos Julião mit größter Ehrerbietung und Respekt diese Oberste Regierung um die Ernennung zum Amtes des Inspektors der Gießereien, Werkstätten und des Labors des Arsenals sowie des Direktors der Königlichen Fabrik von Barcarena und der Raffinerie von Alcántara.“ Die erforderliche offizielle Ernennung sollte jedoch nie Wirklichkeit werden. Man muss bedenken, dass dies vor allem eine Zeit des fast Zerfalls für die portugiesische Armee war. Die ausdrücklichen Anweisungen von Bonaparte nach dem Einmarsch von Junot (1771–1813) in Lissabon lauteten, dass die Armee sofort entwaffnet und die Soldaten neu organisiert in Kolonnen werden sollten, die nach Frankreich marschieren und in die kaiserliche Armee unter dem Namen Portugiesische Legion eingegliedert würden. Die Lage begann sich erst nach dem Waffenstillstand und der Unterzeichnung der Konvention von Sintra im August 1808 zu ändern. Die Wiederherstellung des Regentschaftsrats im September ermöglichte den Beginn der Maßnahmen zur Wiederaufstellung der Armee in der Form, wie sie vor der Invasion existiert hatte. Sicherlich aus diesem Grund bezieht sich die Korrespondenz von Julião als Inspektor des Arsenals – zumindest die, die wir ausfindig machen konnten – ausschließlich auf die Monate Juli bis September 1808. In einer Reihe von Dokumenten bittet er seine Vorgesetzten um Anweisungen zur Leitung der Aktivitäten des Arsenals, um dieses „wieder in seinen früheren Zustand zu versetzen“, und legt zudem Rechenschaft über seine Organisation in Tabellen wie: „Aufstellung der Soldbeträge, die den Offizieren zustehen, die derzeit im Arsenal der Armee beschäftigten Offiziere erhalten und der Monatsgehälter, die ihnen zustehen“, „Verzeichnis der Meisteroffiziere sowie weiterer Personen, die in den Werkstätten des Königlichen Heeresarsenals beschäftigt sind, und der Gesamtsumme derselben Werkstätten“, „Verzeichnis der Artillerieoffiziere, die im Königlichen Heeresarsenal beschäftigt sind“, „Übersicht über die Meister, Untermeister und Arbeiter, die in den Werkstätten der drei Abteilungen bzw. Bereiche des Königlichen Heeresarsenals“ sowie „Verzeichnis der Meister, Gegenmeister und Arbeiter, die in den Werkstätten der drei Abteilungen des Königlichen Heeresarsenals, zusammen mit dem Zusammenfassung der Arbeiten, die er durchgeführt hat und die nach dem Abzug der Franzosen noch im Gange sind“. Genau am Ende des Monats September ändert sich der Ton der Korrespondenz. In zwei Briefen, die an Pereira Forjaz gerichteten Julião bittet, indem er nur mit „Oberst“ und nicht mehr mit „Oberstinspektor“ unterschreibt, ausdrücklich um die Entlassung von der „unzumutbaren Aufgabe als Inspektor“. Die im ersten Brief& nbsp;sind der Erlass einer Verordnung an den Meister einer Werkstatt des Arsenals , die einem ausdrücklichen Anordnung seinerseits, sowie die Ernennung von Handwerkern für die Werkstätten, ohne dass er dazu konsultiert worden wäre, was unter seinen Untergebenen unweigerlich „eine absolute Unabhängigkeit und Insubordination“ hervorrufen würde.& nbsp;Im zweiten Brief kommt die zuvor geforderte Frage der offiziellen Ernennung erneut zur Sprache. Julião fühlt sich beleidigt, da „es Leute gibt, die öffentlich sagen, ich sei kein Inspektor mehr, da die sechs Monate abgelaufen sind, in denen ich nur aufgrund der Ernennung durch die Königliche Finanzkommission dienen durfte“.& nbsp;Er rechtfertigt sich mit dem Argument, dass in dem Erlass, mit dem er ernannt worden war, keine Angaben zur Gültigkeitsdauer des Amtes enthalten waren, und dass, falls die Amtszeit abgelaufen war, wäre es die Pflicht des Vorstands gewesen, ihn erneut zu ernennen oder einen anderen Beamten zu seinem Nachfolger zu ernennen. Er erhebt sogar Vorwürfe gegen den stellvertretenden Bürgermeister, dass dieser „aus Monopolstreben beabsichtigt, sein Amt mit dem des Inspektors zu vereinen, was ihm auch voll und ganz gelungen ist“. Abschließend bekräftigt er sein korrektes Verhalten, da „ich mich nicht (…) als vom Königlichen Rat ernannt betrachte, sondern durch den Exzellenz, den General der Streitkräfte (der aufgrund der Befugnis seines Amtes direkt den Befehl Seiner Königlichen Hoheit zum Zeitpunkt seiner Abreise entgegennehmen) ich mich als Inspektor betrachte, bis das Oberste Regentschaftsgericht es für angebracht hält, mich zu entlassen, worum ich inständig gebeten habe, und ich bitte so inständig.“ Die Entlassung wurde ihm gewährt, und Julião nimmt fortan seine Tätigkeiten& als Oberst im Hauptquartier von Santa Clara aus. In den wenigen Dokumenten, die zu diesem Zeitraum gefunden wurden, berichtet der Offizier berichtet bei einer Gelegenheit vom Untergang eines mit Kriegsmaterial beladenen Schiffes vor dem Kloster Madre de Deus. Kurz darauf beantragt er, dass ein Befehl an das Arsenal erlassen wird, Betten für die Invaliden, die von São Julião da Barra in die Kaserne von Santa Clara verlegt worden waren. Die Tatsache, dass er bald 70 Jahre alt wird, scheint die Dinge für unseren Offizier jedoch schwieriger zu machen. Er beantragt beispielsweise die die Ernennung eines Assistenten für die „zahlreichen zusätzlichen Aufgaben des Generalquartiers, die ich erfüllen muss; ich brauche jemanden, der mir hilft, da ich niemanden habe“, was „mir derzeit sehr fehlt“. Er beklagt sich zudem über die verspätete Zahlung seiner Vergütung, was ihn bei der Erfüllung der Aufgaben als Artilleriekommandant einer der Verteidigungsbrigaden von Lissabon behindert, eine Aufgabe, für die er von Marschall Beresford (1768–1854) ernannt worden war und die „Verpflichtung& nbsp;dem Superintendenten die Teilnahme an den Übungen der verschiedenen Batterien des Unterrichts sowie wiederholt im Haus des Provinzgenerals sowie des Brigadegenerals, der für die Verteidigung zuständig war, und da er aufgrund seines fortgeschrittenen& Alter nicht zu Fuß gehen konnte und ihm die Mittel fehlten, sich auf andere Weise fortzubewegen.“ Am 26. Mai 1811 war Julião in den Ruhestand versetzt im Rang eines Brigadegenerals der Armee. Die Ernennungsurkunde, unterzeichnet vom Regentenprinzen D. João in Rio de Janeiro unterzeichnet worden, wurde jedoch erst am 19. Januar 1813 bestätigt. Für Julião wäre dies jedoch etwas zu spät. Etwas mehr als ein Jahr zuvor war Manuel Ribeiro de Araújo, ehemaliger Direktor des Arsenals von Porto und sein Nachfolger im Amt des Inspektors des Königlichen Arsenals, hatte ein Schreiben an Pereira Forjaz, datiert in Lissabon, 19. November 1811. „In diesem Dokument teilte Araújo mit, dass in der vergangenen Nacht der Tod des Artillerieobersts Carlos Julião, Offiziers, der „seine Talente wie allgemein bekannt ist; und der zu dieser Eigenschaft noch die eines ehrbaren und treuen Gefolgsmanns von S. K.K.; aus diesen Gründen ist sein Verlust schmerzlich.“
Häufig gestellte Fragen zu Carlos Julião
Wer war Carlos Julião?
Carlos Julião war ein Militäringenieur und Zeichner italienischer Herkunft, der um 1740 in Turin geboren wurde und ab 1763 im Dienste der portugiesischen Krone stand. Er gilt als einer der bedeutendsten visuellen Chronisten des portugiesischen Reiches im 18. Jahrhundert und ist Autor von Dutzenden Zeichnungen und Aquarellen über Brasilien, Indien, Goa und andere portugiesische Kolonien.
Hat Carlos Julião in Brasilien gelebt?
Nein. Obwohl sein Werk heute eine der wichtigsten ikonografischen Quellen zum kolonialen Brasilien darstellt, hat Julião nie in diesem Land gelebt oder sich dort niedergelassen. Sein Aufenthalt in Brasilien erfolgte hauptsächlich während seiner Rückreise von Indien nach Portugal sowie im Rahmen punktueller Aufträge im Dienst der portugiesischen Militärverwaltung.
Welches ist das bekannteste Werk von Carlos Julião über Brasilien?
Es handelt sich um den Aquarellband mit dem Titel „Riscos Illuminados de Figurinhos de Brancos e Negros dos Uzos do Rio de Janeiro e Serro do Frio“ (Beleuchtete Skizzen von Figuren in Weiß und Schwarz aus den Bräuchen von Rio de Janeiro und Serro do Frio), der etwa 43 Bilder enthält, die soziale Schichten, Kleidung, Sklavenarbeit und Szenen aus dem Alltag in Rio de Janeiro und in der Bergbauregion Serro do Frio darstellen.
Wo werden die Werke von Carlos Julião aufbewahrt?
Ein Teil des Bestands befindet sich in Portugal, im „Gabinete de Estudos Arqueológicos de Engenharia Militar“ (GEAEM) und in der Nationalbibliothek Portugals in Lissabon. In Brasilien sind Julião zugeschriebene Werke in Beständen wie denen des Instituto Ricardo Brennand in Recife und der Nationalbibliothek in Rio de Janeiro zu finden, die 1960 eine Faksimile-Ausgabe des Albums veröffentlichte.
Wo und wann ist Carlos Julião gestorben?
Den in diesem Artikel zitierten zeitgenössischen Unterlagen zufolge verstarb Carlos Julião in der Nacht des 18. November 1811 in Lissabon, während er unter Marschall Beresford eine der Artilleriebrigaden zur Verteidigung der Stadt befehligte – wenige Monate, nachdem er vom Prinzregenten D. João, der sich damals in Rio de Janeiro aufhielt, im Rang eines Brigadiers in den Ruhestand versetzt worden war. Einige allgemeinere Quellen geben Rio de Janeiro als Sterbeort an; wir haben uns hier für die Version entschieden, die sich auf das im Text zitierte zeitgenössische Dokument stützt.
War Carlos Julião ein professioneller Künstler?
Nicht im modernen Sinne des Wortes. Julião war Offizier der portugiesischen Armee und verfügte über eine technische Ausbildung im Militäringenieurwesen; das Zeichnen gehörte zu den Fähigkeiten, die damals von Ingenieuren und Kartographen erwartet wurden. Sein künstlerisches Schaffen entstand zum großen Teil aus dieser technischen Ausbildung, die er auf die Darstellung von Landschaften, Befestigungsanlagen und Menschenbildern in den Kolonien anwandte.
Warum ist das Werk von Carlos Julião für die Geschichte Brasiliens von Bedeutung?
Weil es einen der seltenen direkten visuellen Einblicke in die brasilianische Kolonialgesellschaft des 18. Jahrhunderts bietet – darunter Szenen aus dem Leben der Sklaven, dem Handel, der Kleidung und dem städtischen Leben in Rio de Janeiro und Salvador –, und zwar in einer Zeit, in der solche detaillierten bildlichen Darstellungen noch rar waren.
Weitere Informationen: Quellen und Sammlungen zu Carlos Julião
- „Riscos Illuminados de Figurinhos de Brancos e Negros dos Uzos do Rio de Janeiro e Serro do Frio“ – Ausgabe von 1960 mit einer historischen Einleitung und einem beschreibenden Katalog von Lygia da Fonseca Fernandes da Cunha, verfügbar in der Digitalbibliothek der Abgeordnetenkammer.
- Instituto Ricardo Brennand in Recife, das einen Teil der Carlos Julião zugeschriebenen Gemäldesammlung in Brasilien beherbergt.
- Património Cultural, I.P., eine portugiesische Einrichtung, die für den Schutz des in diesem Artikel erwähnten archäologischen und historischen Erbes zuständig ist.
Publicações Relacionadas
Juden im kolonialen Brasilien: Ein verborgenes Erbe

Unabhängigkeit Brasiliens - Lösung der kolonialen Bindungen in Brasilien
Portugiesisches Reich in Brasilien - Portugiesische Königsfamilie in Brasilien
Umzug des portugiesischen Hofes in das koloniale Brasilien

Die Gründung der Stadt São Paulo und die Bandeirantes
Übergangszeit vom kolonialen Brasilien zum Kaiserreich Brasilien
Zuckergesellschaft im kolonialen Brasilien: Leben am Engenho
Monokultur, Sklaverei und Latifundien im kolonialen Brasilien
Einsetzung der Generalregierung in Brasilien und Gründung von Salvador
Portugals maritime Expansion und die Eroberung Brasiliens
Die Besetzung der afrikanischen Küste und die Expedition von Vasco da Gama
Die Expedition des Pedro Álvares Cabral und die Eroberung Brasiliens
Die vorkoloniale Zeit Brasiliens - Die vergessenen Jahre
Gründung der portugiesischen Kolonie in Brasilien
Mehr zu den Epochen der brasilianischen Kolonialgeschichte
Zuckermühlen in Pernambuco: Geschichte von Anfang bis Ende

Schiffswrack der Galeão Sacramento in Salvador: Geschichte entdecken
Kapitänsamt der Bucht von Todos os Santos Geschichte
Geschichte der Festungen und Verteidigungsanlagen in Salvador de Bahia
Holländische Invasion in Salvador 1624: Geschichte und Kontext
Die Geschichte des Zuckerrohrs in der Kolonialisierung Brasiliens
Zuckermühle im kolonialen Brasilien: Geschichte und Aufbau
Die Geschichte der Entdeckungsküste in Bahia
Este post também está disponível em:

