Die Kirche São Francisco de Assis in Ouro Preto in Ouro Preto, Minas Gerais, gilt als eines der Meisterwerke des brasilianischen Barocks. Denn sie vereint in einem einzigen Gotteshaus den Entwurf und die Skulpturen von Aleijadinho sowie die Malereien von Mestre Ataíde, den beiden bedeutendsten Künstlern dieser Epoche.
- Lage: Largo de Coimbra, in der historischen Altstadt von Ouro Preto (MG), nahe der Praça Tiradentes.
- Bau: 1766 von der Ordem Terceira de São Francisco begonnen, also vom Dritten Orden der Buße des heiligen Franziskus.
- Künstler: Aleijadinho (Entwurf, Fassade, Kanzeln und Skulpturen aus Speckstein) sowie Mestre Ataíde (Deckenmalerei des Kirchenschiffs).
- Kulturerbe: 1938 vom IPHAN (dem brasilianischen Institut für das historische und künstlerische Nationalerbe) unter Denkmalschutz gestellt; außerdem Teil der historischen Altstadt, die 1980 von der UNESCO zum Welterbe erklärt wurde.
- Besuch: dienstags bis sonntags, gegen Eintritt.
Die Kirche São Francisco de Assis und Ouro Preto zur Zeit des Goldes
Während der Kolonialzeit wuchs keine brasilianische Stadt so stark und so schnell wie Vila Rica, das heutige Ouro Preto. Denn der Goldreichtum lockte Tausende Menschen an, die nach Wohlstand und Geschäften suchten.
Unter ihnen befanden sich auch die kulturellen, politischen und religiösen portugiesischen und brasilianischen Eliten. In dieser Zeit war der Katholizismus übrigens nicht nur Teil der lokalen Kultur, sondern zugleich Teil der Regierungsmacht selbst.

Die Bruderschaften und die Kirchen von Vila Rica
Kirchen zu bauen war eine Möglichkeit, für empfangene Gnaden zu danken und zugleich Macht zu demonstrieren. Deshalb versuchte jede Bruderschaft oder jeder Dritte Orden – religiöse Laienvereinigungen, die ihren Mitgliedern und der Gemeinschaft halfen –, eine eigene Kirche auf den Hügeln der Stadt zu errichten, und zwar stets so schön und prachtvoll wie möglich.
Genau in diesem Zusammenhang entstand die Kirche São Francisco de Assis in Ouro Preto. Die Ordem Terceira da Penitência de São Francisco de Assis vereinte einige der wichtigsten Namen der Gesellschaft von Vila Rica. Zunächst trafen sich ihre Mitglieder in anderen Kirchen. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts beschloss der Orden jedoch, ein eigenes Gotteshaus zu bauen.

Video über die Geschichte, die Architektur und die Kunst der Kirche
IGREJA DE SÀO FRANCISCO DE ASSIS EM OURO PRETO
Baugeschichte
Der Bau der Kirche begann 1766, auf dem Höhepunkt des Goldbergbaus in Minas Gerais. Damals pulsierte Vila Rica vor Reichtum, was eine im kolonialen Brasilien beispiellose künstlerische und architektonische Produktion antrieb.
Dafür holte man zwei der größten Namen des brasilianischen Barocks:
- Antônio Francisco Lisboa, genannt Aleijadinho, Urheber des architektonischen Entwurfs und der Skulpturen aus Speckstein.
- Manuel da Costa Ataíde, genannt Mestre Ataíde, Urheber der Malereien im Innenraum, vor allem der Decke des Kirchenschiffs.
Die Arbeiten kamen jedoch nur langsam voran, je nachdem, wie viele Mittel der Orden aufbringen konnte. So zog sich die Innenausstattung über die folgenden Jahrzehnte hin, bis zum Ende des Goldzyklus. Trotzdem blieb die Kirche stets ein künstlerischer und spiritueller Bezugspunkt.

Restaurierung und Erhaltung
- Die Eingriffe von 1883 und 1925 erfolgten allerdings ohne die nötige technische Sorgfalt.
- Im Jahr 2001 hingegen stellte eine umfassende Restaurierung den Hochaltar, die sechs Seitenaltäre und den Fußboden wieder her, und zwar durch Reinigung, Befestigung der Teile und Wiederherstellung der Originalfarben.
Deshalb ist diese Pflege so wichtig. Schließlich wurde die Kirche 1938 vom IPHAN unter Denkmalschutz gestellt und gehört zu dem Ensemble, das Ouro Preto 1980 zum ersten UNESCO-Welterbe Brasiliens machte. Außerdem wurde sie 2009 zu einem der Sieben Weltwunder portugiesischen Ursprungs gewählt.
Meisterwerk des Barocks von Minas Gerais (barroco mineiro)
Dom Francisco Barroso Filho, emeritierter Bischof der Diocese de Oliveira, bezeichnet die Kirche als „das vollkommenste Vorbild des Barocks von Minas Gerais“. Tatsächlich vereint das Gotteshaus mit innovativen Linien, filigranen Skulpturen und lebhaften Farben den europäischen Barock mit der Kreativität der Künstler aus Minas.

Die drei Phasen des Barocks in Brasilien
Um die Bedeutung der Kirche zu verstehen, lohnt sich zunächst ein Blick auf die Phasen der barocken Holzschnitzkunst in Brasilien:
- Portugiesischer Nationalstil (ca. 1700–1730): Retabel mit gedrehten Säulen, konzentrischen Bögen und vergoldetem Schnitzwerk, das fast den gesamten Innenraum bedeckt.
- Johanneischer Stil (ca. 1730–1760): Anschließend wird das Schnitzwerk theatralischer, mit Baldachinen, Engeln und geschnitzten Figuren sowie einem intensiven Einsatz von Gold.
- Rokoko oder barroco mineiro (nach 1760): Schließlich entstehen dekorative Leichtigkeit, weiße Hintergründe mit goldenen Details, freie Formen und der Einsatz von Speckstein. Die Kirche São Francisco ist dabei das bedeutendste Beispiel dieser Phase.

Architektur und Skulptur von Aleijadinho
In der Kirche São Francisco de Assis in Ouro Preto verwendete Aleijadinho eine innovative Formensprache:
- Zunächst die Fassade mit zurückgesetzten zylindrischen Türmen, die dem Ensemble Bewegung verleihen.
- Anstelle des traditionellen Rundfensters befindet sich außerdem ein großes Medaillon aus Speckstein, das den heiligen Franziskus beim Empfang der Stigmata auf dem Berg La Verna zeigt.
- Über der Tür liegt zudem das Portal aus Speckstein mit Engeln, die die Wappen der portugiesischen Krone und des Franziskanerordens tragen.
- Im Innenraum dagegen stehen Altäre im Rokokostil mit Blumen, Girlanden und vergoldetem Schnitzwerk auf hellem Grund.
- Schließlich die zwei Kanzeln aus Speckstein, die Aleijadinho mit Hilfe von Gehilfen schuf. Darin zeigen sich die Merkmale seines Stils: mandelförmige Augen, hervorstehende Wangenknochen und ein gespaltenes Kinn.
Deshalb stellte der französische Historiker Germain Bazin fest, dass die vollkommenste Verwirklichung des portugiesischen Rokokos in Brasilien und nicht in Portugal stattfand.

Die Malerei von Mestre Ataíde
Die Deckenmalerei des Kirchenschiffs ist ein Schauspiel für sich:
- Sie stellt die Verherrlichung Unserer Lieben Frau dar (Nossa Senhora da Porciúncula, auch Unsere Liebe Frau von den Engeln genannt), umgeben von musizierenden Engeln.
- Außerdem erzeugt die Perspektivtechnik die Illusion, dass sich die Decke zum Himmel öffnet.
- Währenddessen zeigen die Seitentafeln Szenen aus dem Leben von Abraham und imitieren portugiesische Azulejos.
- Schließlich verwendete Ataíde leuchtende Farben, vor allem Blau und Rot.
Der Überlieferung nach sollen die Figuren Unserer Lieben Frau und der Engel zudem mestizische Züge tragen, die von der lokalen Bevölkerung inspiriert waren.

Glaube und Tourismus
Die Kirche des Heiligen Franz von Assisi ist nicht nur ein Gotteshaus des Glaubens, sondern zieht außerdem Touristen aus aller Welt an, und zwar sowohl wegen ihres künstlerischen Wertes als auch wegen der Religiosität ihrer Feierlichkeiten. Während Messen und Zeremonien ist die Besichtigung jedoch aus Respekt vor den Gläubigen ausgesetzt.
„Tourismus und Andacht können sehr gut nebeneinander bestehen, solange beide die Bedürfnisse des jeweils anderen respektieren.“
— Ivo Porto de Menezes, Professor an der Architekturschule der UFMG

So besuchen Sie die Kirche São Francisco de Assis in Ouro Preto
- Adresse: Largo de Coimbra, in der historischen Altstadt, nur wenige Schritte von der Praça Tiradentes entfernt.
- Öffnungszeiten: in der Regel dienstags bis sonntags tagsüber. Montags ist die Kirche dagegen meist geschlossen.
- Eintritt: Der Eintritt ist kostenpflichtig, mit Ermäßigung für Studierende und Senioren. Da sich die Preise ändern, prüfen Sie diese bitte vor dem Besuch.
- Fotos: In vielen Kirchen von Ouro Preto ist das Fotografieren im Innenraum verboten oder eingeschränkt. Beachten Sie deshalb die Hinweisschilder.
- Tipp: Vor der Kirche verkauft außerdem der Kunsthandwerksmarkt am Largo de Coimbra Stücke aus Speckstein.
Der heilige Franz von Assisi
Zunächst einmal: Geboren als Giovanni di Pietro di Bernardone, erhielt er von seinem Vater, einem reichen Kaufmann, den Spitznamen Francesco. Nach einer bewegten Jugend hörte er der Überlieferung nach in der Kirche San Damiano den Ruf Christi, der ihn bat, das Haus Gottes wiederherzustellen.
Später geriet er mit seinem Vater in Konflikt, weil er Stoffe verkauft hatte, um der Kirche zu helfen. Daraufhin verzichtete er öffentlich auf sein Erbe und lebte fortan in Armut. Schließlich starb er 1226 und wurde 1228 heiliggesprochen. Heute ist er einer der beliebtesten Heiligen des Katholizismus und ein Symbol für Demut, Frieden und die Liebe zu den Armen, zu den Tieren und zur Natur.

Häufige Fragen zur Kirche São Francisco de Assis in Ouro Preto
Wer entwarf die Kirche São Francisco de Assis in Ouro Preto?
Kurz gesagt stammen der Entwurf und die Skulpturen aus Speckstein von Aleijadinho (Antônio Francisco Lisboa).
Die Deckenmalerei des Kirchenschiffs stammt hingegen von Mestre Ataíde (Manuel da Costa Ataíde).
Wann wurde die Kirche gebaut?
Tatsächlich begann der Bau 1766 durch die Ordem Terceira de São Francisco.
Allerdings zog sich die Innenausstattung über die folgenden Jahrzehnte hin.
Wo befindet sich die Kirche?
Sie liegt am Largo de Coimbra in der historischen Altstadt von Ouro Preto, also nahe der Praça Tiradentes.
Ist die Kirche Weltkulturerbe?
Ja. Sie gehört zur historischen Altstadt von Ouro Preto, die 1980 von der UNESCO zum Welterbe erklärt wurde.
Außerdem steht sie seit 1938 unter dem Denkmalschutz des IPHAN.
Was stellt die Deckenmalerei dar?
Zusammengefasst zeigt die Decke die Verherrlichung Unserer Lieben Frau, umgeben von musizierenden Engeln.
Dabei erzeugt die Perspektive die Illusion, dass sich die Decke zum Himmel öffnet.
Muss man Eintritt zahlen?
Ja, die Besichtigung ist kostenpflichtig und findet in der Regel dienstags bis sonntags statt.
Prüfen Sie deshalb Preise und Öffnungszeiten vor Ihrem Besuch.
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