Die Bullen von Alexander VI. und der spanisch-portugiesische Streit um die neuen Länder (1493)
Dieser Text erläutert die 1493 von Alexander VI. erlassenen päpstlichen Bullen – insbesondere Inter caetera, Eximie devotionis und Dudum siquidem – und deren Einfluss auf die Auseinandersetzung zwischen Spanien und Portugal um die neu entdeckten Gebiete im Atlantik und in Amerika.
Das offizielle Ziel der Bullen war es, die Ausbreitung des Christentums zu fördern. In der Praxis verliehen sie jedoch den Katholischen Königen territoriale und kommerzielle Rechte. Dies führte zu Konflikten mit Portugal, zu Grenzstreitigkeiten und zu juristischen Debatten über die päpstliche Autorität.
1. Politischer Kontext
Die Päpste Sixtus IV. und Innozenz VIII. unterhielten angespannte Beziehungen zu König Ferdinand von Aragonien, der mit Königin Isabella verheiratet war, und interessierten sich, wie es unter Päpsten üblich war, für die italienische Politik. Ferdinand bemühte sich um die Wahl eines ihm wohlgesonnenen Papstes, was 1492 mit der Wahl des aragonesischen Kardinals Rodrigo Bórgia – Alexander VI. – gelang.

2. Die Reise des Christoph Kolumbus und die Reaktion Portugals
Zur gleichen Zeit unternahm Christoph Kolumbus im Auftrag der Könige von Kastilien und León eine Reise, von der er glaubte, dass sie einen neuen Weg nach Indien eröffnen würde.
Als er im März 1493 nach Lissabon zurückkehrte, wurde er von Dom João II. empfangen. Dieser behauptete, dass die entdeckten Inseln aufgrund früherer päpstlicher Konzessionen zur portugiesischen Krone gehörten.
Colombo gab an, er habe die vor seiner Abreise erhaltenen Anweisungen befolgt und sei nicht in Gewässer unter portugiesischer Gerichtsbarkeit gesegelt.
3. Die päpstlichen Bullen: Inter Caetera und die „Bulle der Teilung“
Die Katholischen Könige wandten sich an die Römische Kurie. Durch Kardinal Carvajal erließ Alexander VI. am 3. Mai 1493 die Bulle Inter caetera, mit der er Ferdinand und Isabel und ihren Nachfolgern „alle und jedes einzelne” der unbekannten Länder und Inseln, die entdeckt werden würden und nicht unter der weltlichen Herrschaft christlicher Fürsten standen, übergab. Dies begründete er damit, dass dies der Verbreitung des Christentums diene.
Eine weitere Inter caetera (datiert vom 4. Mai, versandt am 28. Juni) zog eine Meridianlinie hundert Seemeilen westlich und südlich von einer der Inseln namens Azoren oder Kap Verde aus. Alle Länder westlich dieser Linie wurden den Königen von Kastilien, León und Aragon zugesprochen – die sogenannte „Bulle der Teilung”.

4. Eximia Devotionis und die Gleichstellung von Privilegien
Mit der Bulle Eximia devotionis (3. Mai, ausgestellt im Juli) gewährte Alexander VI. den spanischen Königen die gleichen Privilegien, die bereits den Königen von Portugal gewährt worden waren: Freiheiten, Immunitäten, Begnadigungen und andere apostolische Gunstbezeugungen. Zudem erlaubte er ihnen, diese Vorrechte auf den neu entdeckten oder noch zu entdeckenden Inseln auszuüben.
5. Dudum siquidem und die teilweise Aufhebung
Portugal hat die Bullen angefochten.
Da die Eximie devotionis Zugeständnisse an den Orden Christi ausließ, wurden diese Erwähnungen in der Bulle Dudum siquidem (25. September 1493) durch den Papst (oder seine Berater) stillschweigend aufgehoben.
In der Bulle wurden Ländereien, die sich nicht im Besitz von „Infanten und Milizen“ befanden – eine Anspielung auf Dom Henrique und den Orden Christi – als „unsicher“ bezeichnet. Zudem wurde erklärt, dass Ländereien, die von spanischen Kapitänen auf ihren Reisen nach Westen und Süden entdeckt wurden, den Königen von Kastilien, León und Aragonien gehören würden. Capistrano de Abreu war der Ansicht, dass diese Bulle Garantien aufhob, die Portugal zuvor von Alexander VI. zugesichert worden waren.
6. Voreingenommenheit und Interpretationsprobleme
Die vier Mächte zeigten sich parteiisch: Anstatt Spanien für die Entdeckung zu belohnen, übertrugen sie dem Land Konzessionen, die eigentlich Portugal zustanden.
Es gab praktische Probleme: Die zweite Inter caetera legte einen Meridian „hundert Meilen westlich von jeder der Inseln der Azoren und Kapverden“ fest. Da die Archipele jedoch auf unterschiedlichen Längengraden liegen, ist diese Abgrenzung inkohärent.
Der Ausdruck „nach Westen und Süden“ war vage und die Festlegung der Grenze anhand einer beliebigen der Inseln erschwerte eine genaue Definition zusätzlich.
7. Rechtliche Reaktionen und Debatten
Francisco Adolfo de Varnhagen wies auf die Unklarheit der Bullen sowie die Missachtung der portugiesischen Konzessionen hin.
Es gab Befürworter der Aufteilung, aber auch einflussreiche Kritiker meldeten sich zu Wort: Francisco de Vitoria vertrat die Ansicht, dass der Papst keine weltliche Herrschaft über die ganze Welt habe – seine Autorität sei spiritueller Natur und gelte nicht für Indianer und Ungläubige. Daher legten die Bullen lediglich die Gebiete für die Missionstätigkeit fest, nicht aber eine absolute territoriale Aufteilung.
Ein Jahrhundert später verband Hugo Grotius diese Frage mit der Freiheit der Meere und des Handels und stellte damit die päpstlichen Monopole infrage. Als Antwort darauf verteidigte Frei Serafim de Freitas in De Justo Imperio Lusitanorum Asiatico (1625) den Wert der Entdeckungen und päpstlichen Konzessionen.

Publicações Relacionadas
Este post também está disponível em:
Português
English
Deutsch
Español
Français













